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Orgo-Life the new way to the future Advertising by AdpathwayGuten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
der 4. Juli 1776 war in Philadelphia ein ungewöhnlich milder Sommertag. Der 33-jährige Thomas Jefferson wird wohl nur einen leichten Gehrock über der Weste und den Kniehosen getragen haben. Vielleicht spannte die gepuderte Perücke etwas lockerer über dem Sommersprossengesicht des hochgewachsenen Delegierten, als er den Versammlungsraum im Pennsylvania State House betrat. Seine grauen Augen mögen neben Freude auch eine Spur Stolz ausgestrahlt haben. Schließlich war er es gewesen, der den ersten Entwurf der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung geschrieben hatte. Gemeinsam mit vier Mitstreitern vollendete er den Text, der nun vom Kontinentalkongress gebilligt wurde. Diese Bestätigung war – anders, als es spätere Ölgemälde nahelegen – kein festlicher Akt, sondern eher eine nüchterne Formalie: Zwei Unterschriften des Kongresspräsidenten und eines Sekretärs – fertig.
Aus historischer Perspektive betrachtet könnte dieser Tag jedoch gar nicht bedeutsamer sein. Die Gründungsurkunde der Vereinigten Staaten von Amerika kam einer freiheitlich-demokratischen Explosion gleich. Ein neuer Staat entstand, der sich bald zu einem Regionalhegemon und später zur Weltmacht aufschwang. Grundlegende Menschenrechte wurden schwarz auf weiß verbrieft (wenngleich sie zunächst nicht für Sklaven und Indigene galten). Die Volkssouveränität band die Regierung an die Macht der Bürger. Die Wucht dieses Dokuments war beispiellos. Es erlangte quasi religiösen Status, inspirierte die französischen Revolutionäre und prägt bis heute viele demokratische Verfassungen auf der ganzen Welt.
250 Jahre später blicken viele Zeitgenossen mit gemischten Gefühlen auf das Gründungsjubiläum der USA. Die Vereinigten Staaten haben sich zu einem gespaltenen Land entwickelt, das an seinen inneren Konflikten zu zerreißen droht. Der gegenwärtige Präsident gebärdet sich wie ein antiker Kaiser: Er tut, was er will, bereichert sich schamlos und plant einen gigantischen Triumphbogen zu seinen Ehren. Dreimal höher als das Brandenburger Tor soll der Klotz in Washington bald aufragen.
Ihre Strahlkraft als Verteidigerin der Freiheit und als Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben die USA verloren. Heute fürchten viele Menschen rund um den Globus Amerikas wütende Ausschläge. Europas Regierungschefs zeigen sich vor dem Nato-Gipfel kommende Woche in Ankara nervös. Donald Trumps Schmähung der deutschen Verteidigungsausgaben als "lächerlich" lässt nichts Gutes erwarten.
Was bedeutet die amerikanische Unberechenbarkeit für die Sicherheit Deutschlands und Europas? Wie mächtig ist Trump wirklich noch nach seiner Niederlage im Iran? Droht ihm bei den Kongresswahlen in vier Monaten ein Debakel und endet er als "lame duck" – oder gelingt es ihm abermals, seine Gegner zu überrumpeln?
Wenige Beobachter des Weltgeschehens kennen die USA hierzulande so genau wie Herfried Münkler. Der führende deutsche Politologe hat mehrere bahnbrechende Bücher geschrieben und wird von Regierungschefs um Einschätzungen gebeten. Passend also, dass er am heutigen amerikanischen Unabhängigkeitstag unser Gast im "Tagesanbruch"-Podcast ist und die Entwicklung der USA einordnet. "Man muss mit allem rechnen", warnt er. Unser Gespräch, das von Nicole Fuchs-Wiecha moderiert wird, empfehle ich Ihnen heute zur Aufklärung ebenso wie zur Inspiration:
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Anschließend wünsche ich Ihnen ein schönes Sommerwochenende. Der nächste Tagesanbruch kommt am Montag von unserer Textchefin Heike Vowinkel.
Herzliche Grüße
Ihr
Florian Harms
Chefredakteur t-online


2 weeks ago
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