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Barack Obama im Wahlkampf: Wie er Trump stoppen will

17 hours ago 1

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Der ehemalige US-Präsident Barack Obama, der demokratische Senator Jon Ossoff und die demokratische Gouverneurskandidatin Keisha Lance Bottoms in Georgia bei einer Wahlkampfveranstaltung im Vorfeld der Zwischenwahlen 2026.Vergrößern des Bildes

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama, der Senator Jon Ossoff und die Gouverneurskandidatin Keisha Lance Bottoms in Atlanta. (Quelle: Edgar Su)

Mit Barack Obama setzen die Demokraten im Kampf gegen Donald Trump auf einen Mann aus ihrer Vergangenheit. Es zeigt sich, wie groß seine Anziehungskraft noch immer ist. Aber hinter dem Jubel steckt mehr als Sehnsucht nach früheren Zeiten.

Bastian Brauns berichtet aus Atlanta

Tausende haben es an diesem Abend in Atlanta bereits geschafft. Sie werden Barack Obama live erleben. Tausende andere warten, in der Hoffnung, in die Southlake Arena zu kommen, noch immer vor den Metalldetektoren. Viele werden es am Ende nicht schaffen. Aber sie werden nicht nach Hause gehen. Sie werden die Rede des früheren US-Präsidenten draußen auf ihren Smartphones verfolgen.

Auch 2026 ist Obama noch immer ein menschlicher Magnet. Als er im weißen Hemd und mit lockerem Schritt auf die Bühne kommt, sind die Ränge bis auf den letzten Platz gefüllt. Sein berühmtes Winken wirkt noch immer, als grüße er im Vorbeigehen einen Nachbarn. Seine Präsidentschaft scheint einer anderen Zeit anzugehören. Doch der Mann, der dieses Land acht Jahre lang bis 2017 regierte, will noch einmal die Zukunft verändern.

"Ich mache das schon lange. Manche sagen, zu lange. Eine davon ist Michelle Obama", sagt er. Aber wenn man in so vielen Wahlkämpfen wie er unterwegs gewesen sei, merke man, wann eine Wahl komme, die sich anders anfühle, beginnt Obama. "Wenn man das Gefühl hat, dass Veränderung in der Luft liegt."

Das andauernde Problem der Demokraten

Weil er echte Wechselstimmung spüre, sei er nun noch einmal zum Schlussspurt in den Wahlkampf der Demokraten eingestiegen. Darum unterstützte Obama bereits am vergangenen Wochenende den linken Senatskandidaten Abdul El-Sayed in dem ebenfalls wichtigen, umkämpften Bundesstaat Michigan. Darum steht er jetzt auch hier in Georgia auf der Bühne.

Obama will hier nicht nur dem ambitionierten Senator Jon Ossoff, der bereits als möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten 2028 gehandelt wird, zu einer zweiten Amtszeit verhelfen. Ossoff liegt laut Umfragen derzeit deutlich vor seinem republikanischen Gegner Mike Collins. Obama möchte mit Keisha Lance Bottoms aber vor allem die erste schwarze Frau zur Gouverneurin dieses südlichen Bundesstaates machen. Ein Sieg gegen den Republikaner Rick Jackson wäre eine historische Zäsur. Sie liefert sich mit ihm derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die Demokraten brauchen Obama noch immer. Dabei sind solche Auftritte von ihm für sie oftmals Segen und Fluch zugleich. Als früherer und immer noch beliebter US-Präsident mobilisiert er bis heute die Massen. Als rhetorisches Jahrhunderttalent droht er aber auch stets, die eigentlichen Kandidaten zu überstrahlen. Auch die Auftritte seiner Ehefrau Michelle Obama offenbaren viel zu oft ein andauerndes Problem der Demokraten: Die tief zerstrittene Partei hat bis heute keine einigende, neue Lichtgestalt gefunden.

Wut über Preise, Rassismus und Chaos

Doch an diesem Abend in Atlanta wirkt das anders. Der "Change", die Wechselstimmung, von der Obama spricht, ist mehr als nur ein Verharren in Nostalgie. Die Menschen hier sind wütend – auf die hohen Preise, auf den Krieg im Iran, auf Trumps andauerndes Chaos und seine Selbstbereicherung im Weißen Haus. Und sie jubeln für Jon Ossoff als Senator und möglichen Präsidentschaftskandidaten und Keisha Lance Bottoms als Georgias künftige Gouverneurin.

Im Publikum stehen Larry Walker und Lynn Jackson. Der 77-jährige Vietnamveteran trägt ein T-Shirt mit den Worten: "Wählen ist mein black job". Es ist ein Bezug auf Trumps Aussage, dass illegale Einwanderer Afroamerikanern ihre schlecht bezahlten Arbeitsplätze wegnähmen. Viele Schwarze empfanden das als rassistisch und entwürdigend. Für Walker ist Wählen deshalb Bürgerpflicht. "Alles, was aus Trumps Mund kommt, sind Lügen", sagt er. Die USA unter ihm seien so rassistisch, wie er es seit 30 Jahren mehr erlebt habe.

Seine Begleitung Lynn Jackson entschuldigt sich vorab für ihre Wutrede: "Trump bereichert sich selbst, während die Menschen hier nicht mehr über die Runden kommen. Trump lässt Menschen in den Straßen erschießen, weil sie illegal ins Land gekommen sind", sagt sie und wünscht sich rechtsstaatliche Verfahren zurück.

Warum Trump sich über einen Witz aufregt

Inflation, Korruption, Chaos, hohe Gesundheitskosten und Grausamkeiten – das ist der explosive Themenmix dieser Zwischenwahlen, den auch Obama, Ossoff und Bottoms in ihren Reden immer wieder aufgreifen. Man könne das Amt des Präsidenten und die Politik, die die Amerikaner betrifft, nicht dazu missbrauchen, "um sich selbst zu bereichern", ruft Obama. "So handeln wir nicht. So handeln Diktatoren in anderen Ländern, aber so handeln wir nicht."

Er kritisiert erneut Trumps Vorliebe für Goldverzierungen im Weißen Haus, die auf ihn wirkten, als hätte der frühere irakische Diktator Saddam Hussein eine "Cheesecake-Factory" eröffnet. Obamas Vergleich mit der opulenten amerikanischen Käsekuchen-Restaurantkette hat schon vor Tagen einen politischen Streit ausgelöst. Trump und die Republikaner werfen Obama elitäres Verhalten vor, weil er Amerikaner, die dort essen, in Wahrheit als Pöbel verachte.

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Obama kontert in Atlanta, dass er mit seinen beiden Töchtern in ihrer Kindheit dort regelmäßig essen gehe. "Anders hätte ich deren Kindheit gar nicht überlebt." Die Reaktion des Weißen Hauses auf seinen Witz sei dagegen entlarvend. "Der Präsident war nicht einmal sauer über den Saddam-Hussein-Vergleich. Das hat ihn nicht gestört. Aber er war sehr aufgebracht über Cheesecake Factory", so Obama. Die ganze Regierung, samt Finanzminister Scott Bessent, sei mobilisiert worden. "Aber nicht gegen die Inflation, sondern gegen meinen Witz."

Der frühere Präsident wendet sich an das Publikum und ganz speziell an die Presse: "Das meine ich, wenn ich davon spreche, dass diese Leute nicht seriös sind." Trump und seine Regierung erfänden immer neue Ablenkungen, Attacken, Lügen und gespielte Empörung. Das Ziel: "Damit ihr nicht merkt, dass eure Rechnungen höher sind und euer Leben härter ist, lassen sie euch über die Cheesecake Factory diskutieren." Er habe sich so etwas nicht vorstellen können.

Ein möglicher Nachfolger: Jon Ossoff

Doch zumindest die Menschen im Publikum in Atlanta merken täglich, wie viel weniger sie sich leisten können. Von den drastischen Kürzungen bei der Gesundheitsversorgung, bei der Kinderbetreuung, bei Studierendenkrediten und dem Lehrermangel sind fast alle hier betroffen. Und sie wissen, dass Obama daran zumindest als Politiker nichts mehr zum Besseren ändern kann. Ihre Hoffnungen liegen auf Jon Ossoff, und Obama lässt an diesem Abend erkennen, welches Potenzial er in dem 39-jährigen Senator sieht.

"Es liegt nicht nur daran, dass er so gefestigt ist. Es liegt nicht daran, dass er in all den Videos so gut aussieht wie ein Kennedy. Es liegt daran, dass er von seinem Mentor und meinem Mentor gelernt hat. Er ist einer der Größten: John Lewis." Obama bezieht sich auf den schwarzen Bürgerrechtler, der 2020 in Georgia gestorben ist. In seinem Büro hat Jon Ossoff ein Porträt des schwarzen Bürgerrechtlers über seinem Schreibtisch hängen. Und Obama erkennt in Ossoff offenbar schon jetzt einen möglichen Nachfolger für das Weiße Haus.

In Atlanta ist der Jubel für die Gouverneurskandidatin Keisha Lance Bottoms und den Senator Jon Ossoff an diesem Abend tatsächlich fast ebenso groß wie für Obama. Der neue Hoffnungsträger der Demokraten ruft: "In sechs Tagen wird Georgia den Gauner-Präsidenten Donald Trump mit solcher Klarheit und Kraft zurückweisen, dass kein Präsident es für Jahrhunderte wieder wagen wird, solchen Amtsmissbrauch zu begehen." Die Menge antwortet mit einem Schlachtruf aus der Obama-Zeit: "Yes we can! Yes we can!"

Kommt die "blaue Welle"?

Ossoff muss seinen eigenen Slogan noch finden, dafür ist nach den Zwischenwahlen Zeit. Die Attacken gegen den US-Präsidenten jedenfalls sitzen seit Wochen und haben Ossoff im ganzen Land bekannt gemacht. Trump habe Frieden versprochen, sagt er in Atlanta. "Stattdessen befinden wir uns seit acht Monaten in einem unnötigen Krieg, bei dem dieser nutzlose Wehrdienstverweigerer und Oberbefehlshaber nicht herausfindet, wie er ihn beenden oder gewinnen soll", ruft Ossoff in die johlende Menge hinein. Und dafür wolle Trump auch noch einen Triumphbogen in Washington bauen.

Ob aus dem Jubel in Atlanta tatsächlich eine "blaue Welle" wird, entscheidet sich am kommenden Dienstag. Blau ist traditionell die Farbe der Demokraten, Rot die der Republikaner. Jeder einzelne demokratische Sieg bei den Zwischenwahlen in den USA wäre eine Ohrfeige für Donald Trump und seine Partei. Die große Frage am kommenden Dienstag aber ist: Schaffen die Demokraten eine "blaue Welle", sogar einen "blauen Tsunami", der alles mit sich reißt, oder werden die roten Trump-Republikaner am Ende doch besser als gedacht abschneiden?

"Diese Wahl ist unsere letzte beste Chance", ruft Obama am Ende seiner Rede. Mit einem Sieg könne Trump zumindest in den kommenden zwei Jahren eingehegt werden. "Diese Wahl ist der Schutzschalter im System, und wir müssen ihn umlegen." Dann gäbe es auch gute Chancen für eine Präsidentschaft im Jahr 2028. Geht es nach Obama, ist Ossoff derjenige, dem er es zutraut, die Menschen zu mobilisieren.

Ob es dann auch für eine Welle der Begeisterung wie bei ihm 2009 reicht, muss sich erst zeigen. Am Ende verschwinden Ossoff und Bottoms schnell. Obama hingegen nimmt noch ein langes Bad in der Menge. Er schüttelt Hände, lässt Fotos machen und winkt – so wie damals. Doch es geht um das Morgen.

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