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Warum Trump die Warnungen ignoriert
14.09.2026 - 20:44 UhrLesedauer: 6 Min.

Donald Trump: Der US-Präsident denkt bislang nicht an eine stärkerer staatliche Regulierung von KI. (Quelle: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa/dpa-bilder)
In den USA wird der Ruf nach Regulierung Künstlicher Intelligenz immer lauter. Doch der Präsident hat daran bislang keinerlei Interesse.
David Schafbuch berichtet aus New York
Von einer strengeren Regulierung Künstlicher Intelligenz will Donald Trump bislang nichts wissen. "Negative Kräfte" stünden hinter dieser Forderung, sagte der Präsident der USA am Wochenende bei seinem Besuch in Irland. Am Montag legt der Präsident dann auf seiner Plattform Truth Social nach: Die einzige Leitplanke, die KI benötige, sei er selbst.
Eine "starker und kluger" Präsident sei erforderlich, und den hätte das Land ja gerade. Dabei attestierte sich Trump selbst einen hohen Intelligenzquotienten. Die KI-Industrie nannte Trump eine "goldene Gans", die man nicht töten dürfe.
Der Präsident stellte sich damit gegen die Appelle von Größen aus der KI-Branche. In den vergangenen Tagen hatten sich immer mehr Vertreter von Unternehmen der Forderung angeschlossen, dass die Industrie stärker reguliert und die Entwicklung neuer Systeme gedrosselt werden müsse. Zwar zweifeln Branchenkenner, dass die Warnungen aus reinen Sicherheitsinteressen erfolgen. Das muss allerdings nicht bedeuten, dass sie völlig aus der Luft gegriffen sind.
Für Trump scheinen allerdings die Sicherheitsbedenken der Branche von weniger Bedeutung zu sein. Dem Präsidenten geht es im Zusammenhang mit KI um andere Dinge: Der Präsident möchte zum einen nicht die Branche regulieren, die zuletzt die US-Wirtschaft getragen hat. Zum anderen hat Trump Sorge, dass er ansonsten ins Hintertreffen gegen China gerät, mit denen sich die US-Entwickler ein technisches Wettrennen liefern.
Die KI-Industrie war zuletzt aufgeschreckt worden. In mehreren Fällen hatten sich KI-Systeme der Branchengrößen OpenAI (ChatGPT) und Anthropic (Claude) selbstständig gemacht und waren ohne Kenntnisse der Entwickler in fremde Systeme eingedrungen. Bereits im August hatten 1.300 Entwickler verschiedener Tech-Konzerne einen offenen Brief unterschrieben, der mehr Regulierung der Branche forderte.
Entwickler kündigt und warnt vor Folgen
Die Gefahr, die die Entwickler sehen, nennt sich "recursive self-improvement": Gemeint ist damit, dass Künstliche Intelligenz ein Stadium erreicht, dass sie sich selbstständig weiterentwickeln und optimieren kann. Bislang sind öffentlich verfügbare KI-Systeme dazu nicht in der Lage. Entwickler arbeiten aber bereits an solchen System. Die Fortschritte sind offenbar nicht nur rasant, sondern machen die Systeme bereits jetzt immer schwerer kontrollierbar.
Anfang der vergangenen Woche nahm die Diskussion dann durch den KI-Entwickler Jacob Coxon weiter Fahrt auf. Auf der Plattform X hatte der 27-Jährige verkündet, dass er bei dem Unternehmen Anthropic gekündigt habe. Coxon warf dem Unternehmen und auch anderen KI-Entwicklern vor, unverantwortlich zu handeln. "Die Leute, die diese KI entwickeln, glauben ernsthaft, dass sie uns bis zum Ende des Jahrzehnts alle töten könnte", schrieb Coxon unter anderem.
Viele Kenner aus der Branche stimmten Coxon in seiner Einschätzung zu. Am Wochenende erklärte Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic, in einem langen Blogeintrag, dass die Politik jetzt handeln müsse. Amodei zog dabei Vergleiche zu den SALT-Verträgen, die im Kalten Krieg die nukleare Aufrüstung begrenzten. Zustimmung erhielt Amodei vom Konkurrenten OpenAI, Microsoft-Chef Satya Nadella sowie Elon Musk.
Staatliche Kontrolle war bislang in der Techbranche eher ungern gesehen. Vordenker wie Elon Musk pflegten bislang ein libertäres Weltbild, in denen staatliche Vorgaben als Behinderung technischer Innovation wahrgenommen wird. Musk hatte noch zu Beginn der zweiten Amtszeit von Trump den Auftrag erhalten, mit seiner Organisation Doge die Bürokratie in den USA abzubauen. Als Ergebnis trennte sich der Staat laut Regierungsangaben im vergangenen Jahr von mehr als 260.000 Beamten.
An Regulierung der KI-Branche hatte die Trump-Regierung auch vor den Appellen der vergangenen Wochen und Monaten kein Interesse. Bundesweit gibt es in den USA anders als in der EU nahezu keine Vorgaben bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Einen entsprechenden Erlass seines Vorgängers Joe Biden hatte Trump an seinem ersten Tag im Amt wieder rückgängig gemacht.
Ein Grund, warum Trump weiter kein Interesse an der Regulierung hat, dürfte in der eigenen Wirtschaft liegen: In den vergangenen Monaten war die Branche eine der wenigen Wachstumsfelder. Überall im Land werden etwa neue Rechenzentren gebaut, die für die Weiterentwicklung der Systeme notwendig sind.
Zudem treiben KI-basierte Unternehmen den Kurs an den US-Börsen. In den vergangenen Monaten hatten dadurch die wichtigsten US-Indizes kräftige Gewinne verzeichnen können. Ein Resultat der Rufe nach mehr Regulierung war dagegen am Montag eine Talfahrt vieler Börsenkurse. Unter anderem fiel Aktienkurs des Chip-Herstellers Nvidia, der als größter Profiteur der vergangenen Monate gilt, an der Wall Street um mehrere Prozente.
Experten befürchten zwar, dass es sich um eine Spekulationsblase handeln könnte, die in Zukunft platzen könnte. Allerdings kann Trump die Kurse im Moment noch weiter für sein Bild nutzen, dass er die USA in einen neues "goldenes Zeitalter" führen will.
Ohne die Erfolge der "goldenen Gans" dürfte es dem Präsidenten noch schwerer fallen, diese Erzählung zu verkaufen. Durch den Krieg im Iran sind auch in den USA die Benzinpreise deutlich gestiegen. Das Wahlversprechen, die Lebenshaltungskosten generell zu senken, konnte Trump bislang ebenfalls nicht einhalten. "Ohne KI wäre Amerika jetzt in einer Rezession", sagte etwa die ehemalige Chefökonomin der Weltbank, Carmen Reinhart, der "Neuen Zürcher Zeitung" Ende Juli.
Branchenkenner kritisiert Unternehmen
Der zweite Grund für Trumps Skepsis könnte darin liegen, dass durchaus Zweifel an den Motiven der KI-Größen angebracht sind. Sehr deutlich hatte sich am Wochenende etwa dazu David Sacks geäußert. Sacks war bis zum vergangenen März als Berater im Weißen Haus für KI-Themen zuständig. Zuvor hatte er sich unter anderem an Unternehmen wie PayPal, Facebook oder SpaceX beteiligt.
Sacks warf den KI-Größen auf der Plattform X vor, dass die Unternehmen ihre Forschung selbstständig stoppen könnten und dafür nicht die Regierung bräuchten. Sollten die KI-Systeme tatsächlich so gefährlich sein, wie beschrieben, würde er diese Maßnahme unterstützen. Aber die Unternehmen sollten aufhören, so zu tun, als seien ihr Ruf nach Regulierung rein aus selbstlosen Motiven erfolgt.
Der Branchenkenner kritisierte, die KI-Unternehmen wollten mit der Regulierung dafür sorgen, die Sicherheitsvorgaben so hochzusetzen, dass kleinere Anbieter keine Chance mehr hätten, in der Branche einzusteigen. Sacks sprach zudem davon, dass der Ruf nach Regulierung auch davon getrieben sei, dass die Unternehmen womöglich anstreben, einen Ausschluss für Produkthaftungen zu erhalten, wenn ihre KI-Systeme in Zukunft Schaden anrichten könnten.
"Perfide Verschwörung"
Der wichtigste Grund für Trumps Zweifel dürfte aber im Wettbewerb mit China liegen. So hatte es der Präsident auch selbst am Montag formuliert. Es gebe eine "perfide Verschwörung" gegen KI und Rechenzentren, schrieb Trump auf Truth Social, "und der Einzige, der sich darüber freut, ist China".
Tatsächlich befinden sich Entwickler in den USA und China in einem Wettlauf um die Entwicklung der leistungsstärksten und fortschrittlichsten KI-Systeme. Bislang liegen die USA mit Branchengrößen wie Anthropic oder OpenAI vorne. Allerdings gilt die chinesische Industrie als ernsthafter Konkurrent.
Ein Grund liegt darin, dass chinesische KI-Systeme anders konzipiert sind: Die US-Anbieter setzen auf geschlossene Modelle. Gemeint ist damit, dass die Daten, die innerhalb eines KI-Systems eingegeben werden, immer auf Servern der Anbieter gespeichert werden. Die Nutzer vertrauen also darauf, dass mit den eigenen Daten durch den Anbieter verantwortungsvoll umgegangen wird.
Chinesische KI-Firmen setzen dagegen auf offene Systeme: Sie können von dem Kunden erworben und dann auf den eigenen Servern eingesetzt werden. Dahinter steckt das Kalkül, dass diese Modelle etwa für Unternehmen, die mit sensiblen Daten hantieren, künftig deutlich attraktiver sein könnten.
Vertreter der chinesischen Regierung hatten zuletzt verärgert auf die Meldungen aus den USA reagiert. Bedrohungserzählungen zu verbreiten, Konfrontation und böswilliger Wettbewerb lägen nicht im Interesse einer der Seiten, sagte Außenamtssprecher Guo Jiakun in Peking.
Grundsätzlich zeigte sich die chinesische Regierung allerdings offen für eine länderübergreifende Regulierung von KI. Chinas Staatspräsident Xi Jinping hatte erst am Wochenende auf dem Gipfel der Brics-Staaten in Neu-Delhi darüber gesprochen. Der chinesische Präsident wird auch demnächst persönlich die Möglichkeit haben, das Thema mit Donald Trump zu besprechen. Ende der kommenden Woche wird Xi Jingping im Weißen Haus erwartet.


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