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Donald Trump: Wie krank ist der fast 80-jährige US-Präsident? (Quelle: IMAGO/Aaron Schwartz / CNP /MediaPunch)
Donald Trump lässt sich erneut medizinisch untersuchen – zum dritten Mal in nur 13 Monaten. Während das Weiße Haus demonstrativ die Gesundheit des Präsidenten betont, wachsen in der Bevölkerung Zweifel an seiner Eignung.
Bastian Brauns berichtet aus Washington
Die gepanzerte und schwer geschützte Fahrzeugkolonne des Präsidenten rollt an diesem regnerischen Dienstagmorgen um 8.28 Uhr zum Militärkrankenhaus Walter Reed. Donald Trump hat das Weiße Haus zu einem weiteren medizinischen Termin verlassen. Es ist der dritte geplante Besuch in der Klinik innerhalb von nur 13 Monaten.
Rund zwei Wochen vor seinem 80. Geburtstag am 14. Juni wird die Gesundheit des Präsidenten zunehmend selbst zum politischen Thema. Nicht nur wegen seines Alters und nicht nur wegen zahlreicher Spekulationen um seinen körperlichen und mentalen Zustand. Sondern auch, weil das Weiße Haus hartnäckig versucht, Trump zu einem geradezu übermenschlich starken, belastbaren, fitten und fleißigen Präsidenten zu stilisieren.
Der Tagesplan des Weißen Hauses liest sich an diesem Tag nüchtern und zugleich wie ein öffentliches Spektakel. Die Gesundheit des US-Präsidenten, der zugleich der Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, stellt in den Vereinigten Staaten immer ein Politikum dar. Und Trump wäre nicht Trump, wenn er aus seinem mikroskopisch beobachteten Krankenhausaufenthalt kein Kapital schlagen würde.
Zuerst begrüßt Trump laut Weißem Haus die dort postierten Soldaten und das Krankenhauspersonal. Anschließend absolviert er seine Untersuchung – abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Das medizinische Ergebnis wird in den kommenden Tagen erwartet und veröffentlicht. Schon am frühen Nachmittag steht eine politische Besprechung im Oval Office auf dem Programm. Die Botschaft ist klar: Der Präsident arbeitet weiter. Ohne Pause. Ohne Einschränkung. Alles nur Routine.
Die Inszenierung als starker Mann
Genau dieses Bild kultiviert Trump seit Jahren. Schon im Wahlkampf stellte er seine körperliche und geistige Fitness ins Zentrum seiner politischen Marke – oft im direkten Kontrast zu seinem Vorgänger Joe Biden. Dessen Alterungsprozess schritt für jeden sichtbar voran und dürfte ihn schließlich auch die zweite Amtszeit gekostet haben. Beim desolaten TV-Duell gegen Trump 2024 hatte Biden etliche Aussetzer, es war wohl der Anfang vom Ende seiner Kandidatur.
Trump verweist hingegen bei öffentlichen Auftritten regelmäßig auf seine Ergebnisse bei kognitiven Tests. Er prahlt mit seiner Energie und wiederholt Aussagen früherer Ärzte, wonach er eben ganz außergewöhnlich gesund sei. Seine Sprecherin Karoline Leavitt erklärte zuletzt noch, Trump befinde sich in "ausgezeichneter Gesundheit". Sein Arzt Sean Barbabella attestierte ihm ebenfalls eine "außergewöhnliche Gesundheit".
Das Weiße Haus reagiert immer dünnhäutiger
Doch je älter Trump wird, desto stärker werden er und diese Inszenierung genauestens beobachtet. Nicht Joe Biden, sondern Donald Trump ist inzwischen der älteste jemals vereidigte US-Präsident. Dass er innerhalb von 13 Monaten bereits zum dritten Mal das Walter-Reed-Krankenhaus aufsucht, hat in Washington Fragen ausgelöst, auch wenn das Weiße Haus alle drei Termine als routinemäßig beschreibt.
Nach einem Besuch im vergangenen Oktober hatte das Team um Trump wochenlang offengelassen, welche Untersuchungen durchgeführt worden waren. Erst später bestätigte man, dass bei Trump eine Computertomografie gemacht worden war. Diese habe aber lediglich dazu gedient, Herz-Kreislauf-Probleme "endgültig auszuschließen", hieß es.
Auffällig ist: Das Weiße Haus reagiert inzwischen äußerst empfindlich auf jegliche Diskussion über Trumps Gesundheitszustand. Als sich im Frühjahr in sozialen Netzwerken Gerüchte über einen Krankenhausaufenthalt verbreiteten, sprach die Regierung von einer "Desinformationskampagne" und prangerte in einer Art digitaler "Wand der Schande" Social-Media-Profile und Medien an, die entsprechende Spekulationen aufgegriffen hatten.
Sichtbare gesundheitliche Veränderungen
Dabei gibt es sichtbare körperliche Veränderungen, die sich nicht mehr allein durch Dementis aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängen lassen. Auf mehreren aktuellen Fotos wirken Trumps Beine und Knöchel deutlich geschwollen. Das Weiße Haus bestätigte bereits im vergangenen Jahr die Diagnose einer chronischen Venenschwäche. Es ist eine im höheren Alter verbreitete Erkrankung, bei der das Blut in den Beinvenen schlechter zum Herzen zurücktransportiert wird. Schwerwiegendere Ursachen wie Thrombosen oder arterielle Erkrankungen seien aber ausgeschlossen worden, erklärte die Präsidentensprecherin damals.
Besonders auffällig sind zudem seit Monaten Verfärbungen und Schwellungen an Trumps Händen. Bei mehreren öffentlichen Auftritten war sichtbar, dass die Handoberflächen mit Make-up oder Concealer überschminkt worden waren. Teilweise so deutlich, dass die Abdeckung auf Nahaufnahmen selbst erkennbar blieb. Das Weiße Haus erklärte die Blutergüsse mit häufigem Händeschütteln und der täglichen Einnahme von Aspirin zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Trump bestätigte inzwischen selbst, Kompressionsstrümpfe gegen die Schwellungen zu tragen und Make-up zur Abdeckung der Verfärbungen zu benutzen.
Die Amerikaner werden zunehmend skeptisch
Gerade diese sichtbaren Merkmale haben die Debatte verändert. Denn es sind nicht nur Gerüchte oder Spekulationen im Internet. Es sind Symptome, die auf offiziellen Bildern und bei öffentlichen Auftritten erkennbar sind und deren Ursachen anschließend politisch eingeordnet werden müssen. Denn: Ein Präsident, der als "unfit for office", also nicht fit genug für den Job gilt, ist früher oder später nicht mehr tragbar. Nicht nur, wenn ein Arzt das offiziell feststellt. Sondern auch, wenn die öffentliche Meinung kippt.
Und in der amerikanischen Bevölkerung wächst die Skepsis. Laut einer aktuellen Umfrage der "Washington Post" gemeinsam mit ABC News und Ipsos glauben nur noch 40 Prozent der Amerikaner, Trump verfüge über die nötige geistige Schärfe für das Präsidentenamt; bei seiner körperlichen Fitness sind es 44 Prozent. Das sind weniger als noch im vergangenen Herbst. Damals attestierten ihm noch 47 Prozent ausreichend mentale Fitness und 57 Prozent eine körperliche Eignung.
In Fernsehsendern wie CNN äußern sich überdies medizinische Experten, etwa der Herzspezialist Dr. Jonathan Reiner von der George Washington Universität in der US-Hauptstadt. Er sagte anlässlich des neuerlichen Krankenhausbesuchs von Trump: "Der Präsident leidet unter starker Tagesschläfrigkeit." Chronische Insomnie sei eine schwere Erkrankung, so Reiner. "Sie kann zu einem erhöhten Demenzrisiko sowie zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit bei älteren Menschen führen." Trump wirkte zuletzt immer wieder so, als würde er etwa bei Kabinettssitzungen eindösen.
Klar ist: Während Joe Bidens Team zuletzt versuchte, Bidens Alter immer stärker zu verdecken, etwa mit kürzeren Wegen oder früheren Terminen, betont Trumps Umfeld demonstrativ das Gegenteil. Es gibt zumindest keine sichtbaren Anpassungen und keine erkennbaren Einschränkungen.
Trump gibt sich als Arbeitstier. Er absolviert Auftritte, Auslandsreisen und beinahe tägliche Presseauftritte. So vieldiskutiert sein Gesundheitszustand auch sein mag, so gut gelingt es ihm dennoch bislang, die erkennbaren Schwächen zu kaschieren. Daran wird wohl auch sein neuerlicher Krankenhausbesuch nichts ändern. Zumindest, solange er sich keinen echten Fauxpas leistet. Mehrfaches öffentliches Stolpern wie Joe Biden blieb Trump jedenfalls bislang erspart.


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