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Ex-Profi über Balogun-Eklat: Infantino ist Trumps "Erfüllungsgehilfe"

2 weeks ago 5

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Ex-US-Fußballprofi kritisiert Trump

"Mir tut die US-Nationalmannschaft leid"


Aktualisiert am 07.07.2026 - 07:48 UhrLesedauer: 6 Min.

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So will der US-Präsident bei einer Niederlage der USA reagieren.

Donald Trump soll Fifa-Präsident Gianni Infantino wegen der Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun beeinflusst haben. Der einstige US-Fußballspieler und Politikwissenschaftler Jules Boykoff sieht darin "Sportswashing".

Donald Trump hat mit seinem Anruf bei Fifa-Präsident Gianni Infantino in den Wettbewerb der Fußball-WM eingegriffen. Für den US-Politikwissenschaftler und früheren Fußballspieler Jules Boykoff ist der Vorgang damit ein Lehrstück darüber, wie eng Sport und Politik miteinander verwoben sind.

Das Interview mit Boykoff findet vor dem WM-Achtelfinale zwischen den USA und Belgien statt, für das Balogun ursprünglich gesperrt war. Darin kritisiert er Trump scharf, wirft Fifa-Chef Infantino Unterwürfigkeit vor und erklärt, warum der US-Präsident den Fußball gezielt für seine politische Inszenierung nutzt und der Nationalmannschaft damit schwer schadet.

t-online: Herr Boykoff, während wir sprechen, passiert bei der Fifa-Fußball-WM gerade eine Menge. Donald Trumps Telefonat mit Gianni Infantino, die daraufhin aufgehobene Spielsperre für Folarin Balogun wegen einer Roten Karte. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie beobachten, was gerade passiert?

Jules Boykoff: All das zeigt in aller Deutlichkeit, dass Sport nichts anderes als Politik mit anderen Mitteln ist – und dass Fußball durch und durch politisch ist. Ich persönlich musste als Politikwissenschaftler daran nicht erinnert werden. Ich betrachte Sport ohnehin durch eine politische Brille. Aber Trumps Eingreifen in dieser Angelegenheit um die Rote Karte macht nun für alle deutlich, wie sehr sich Politik und Sport auf entscheidende Weise überschneiden.

Ein typischer Trump-Schachzug. Es gab so ein Telefonat auch nach der Präsidentschaftswahl 2020 in Georgia, als der Präsident Stimmen "finden" lassen wollte. Jetzt erleben wir eine solche "Telefondiplomatie" im Fußball. Wie problematisch ist das für den Sport?

Diese Art von politischer Intervention hat die Fußballwelt schockiert, obwohl niemand wirklich schockiert sein kann. Genau aus dem Grund, den Sie ansprechen. Wir wussten alle, dass Trump sich bei dieser Weltmeisterschaft irgendwann selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken würde.

Inwiefern?

Präsident Trump spricht seit Langem davon, dass diese Weltmeisterschaft ebenso wie die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles entscheidend für sein politisches Vermächtnis seien. Und Trump hat den Sport stärker zu seinem politischen Vorteil genutzt als jeder andere Präsident der jüngeren US-Geschichte. Deshalb überrascht sein Eingreifen im Fall der Roten Karte für Balogun überhaupt nicht. Das ist ein Mann, der das politische Rampenlicht liebt – und der sich während dieser Weltmeisterschaft bislang sogar vergleichsweise zurückgehalten hat.

Stimmt. Er war ja noch nicht einmal in einem Stadion.

Nein. Einer seiner Mitarbeiter hat zwar angekündigt, Trump werde heute zum Spiel nach Seattle kommen, aber danach sieht es inzwischen nicht mehr aus. Wir wissen allerdings, dass er beim Finale dabei sein will.

Ist Trump der 12. Mann der US-Nationalmannschaft?

Mir tut die US-Nationalmannschaft leid, insbesondere Folarin Balogun, der im Mittelpunkt dieser Kontroverse steht. Es ist wichtig zu betonen, dass Balogun selbst die Rote Karte mit großer Gelassenheit und Professionalität akzeptiert hatte. Er hat sehr eindrucksvoll erklärt, dass er sich nicht über die Entscheidung beschweren werde, weil er weiß, dass junge Menschen zu ihm aufschauen. Er wollte ihnen zeigen, wie man mit Enttäuschungen umgeht.

Trump scheint das egal zu sein.

Ja, das steht in starkem Kontrast zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, der wie ein Elefant in den Raum trampelt, Gianni Infantino anruft und einfach versucht, seinen Willen durchzusetzen. Damit hat Präsident Trump im Grunde jedem möglichen Erfolg der US-Mannschaft eine Fußnote verpasst. Das ist wirklich schade für diese Spieler, denn sie haben sich ihren Platz im Achtelfinale verdient. Nun wird der Geist Trumps über allem schweben, was diese Mannschaft erreicht.

Sie haben gerade gesagt, die Mannschaft habe sich das verdient. Was bedeutet dieser Vorgang für die stolze Sportnation USA, die stets gewinnen will?

Ich glaube, genau dieser Gedanke – dass die Vereinigten Staaten gewinnen müssen – steht im Zentrum der Marke Trump. Deshalb überrascht es nicht, dass er alles versucht, um der US-Mannschaft einen Vorteil zu verschaffen. Selbst in einer Sportart, über die er nahezu nichts weiß. Aber die eigentliche Ironie besteht darin, dass er jemanden retten will, der überhaupt keine Rettung braucht. Balogun ist ein selbstständiger, kompetenter Mensch. Und zweitens spielt Balogun überhaupt nur deshalb für die US-Nationalmannschaft, weil es das Geburtsortprinzip "birthright citizenship" gibt.

Erklären Sie das kurz?

Balogun wurde als Sohn nigerianischer Eltern in den USA geboren, die sich vorübergehend hier aufhielten, nachdem ihnen eine Fluggesellschaft den Weiterflug wegen der Schwangerschaft der Mutter verweigert hatte. Nur deshalb kann Balogun heute als Amerikaner für unser Team spielen. All das geschieht nun ausgerechnet in derselben Woche, in der sich der Supreme Court mit Donald Trumps Forderung beschäftigte, das Geburtsortprinzip abzuschaffen. Balogun spielt für die USA und erzielte Tore. Genau solche Menschen würden Präsident Trump und seine Regierung aber am liebsten aus dem Land werfen.

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Warum aber "rettet" Trump ihn dann?

Ich halte das für eine Pseudo-Rettung. Es ist eine spektakuläre Rettung. Es geht um Spektakel – nicht um die Realität. In Wirklichkeit belastet Trumps vermeintliche Rettung die Mannschaft nur zusätzlich. Sie bringt Ballast mit sich. Schlechtes Karma.

Zur Person

Jules Boykoff, 56, spielte mit 19 unter anderem im U23-Team der US-Fußballnationalmannschaft und ist Autor des Buches "Red Card: The 2026 World Cup, Sportswashing, and the FIFA Greed Machine" (2026) und "Kicking" (2026), einer Autobiografie über seine Zeit als amerikanischer Profifußballer und seine heutige Tätigkeit als Sportkritiker. Er hat außerdem sechs Bücher zur Politik der Olympischen Spiele verfasst, zuletzt "What Are the Olympics For?" (2024). Seine Artikel erschienen unter anderem in der "Nation", im "Guardian", der "Los Angeles Times", der "New York Times" und in der "Globe and Mail". Er lehrt Politikwissenschaft an der Pacific University im US-Bundesstaat Oregon.

Wir wissen bislang nicht, was in dem Telefonat zwischen Donald Trump und Gianni Infantino gesagt wurde. Infantino betont, die Fifa habe völlig unabhängig entschieden. Gehen Sie davon aus, dass Trump die Entscheidung tatsächlich beeinflusst hat?

Sie sprechen einen entscheidenden Punkt an. Es gibt keine "Smoking Gun", also kein Beweisstück. Sowohl Infantino als auch Trump können bestreiten, dass Trump wirklich Einfluss auf den Entscheidungsprozess genommen hat. Aber man muss den größeren Zusammenhang sehen.

Welcher wäre das?

Gianni Infantino hat sich Donald Trump regelrecht unterworfen und ist im Grunde zu seinem persönlichen Erfüllungsgehilfen geworden. Infantino ist jemand, der tut, was Präsident Trump von ihm verlangt. Er hat Trump im Dezember 2025 diesen Fifa-Friedenspreis verliehen. Das halte ich für einen schweren strategischen Fehler. Nicht, weil Trump den Friedenspreis verdient hätte – den hat er ganz sicher nicht verdient –, sondern weil auch der Zeitpunkt katastrophal gewählt war.

Wie meinen Sie das?

Hätte Infantino strategisch gedacht, hätte er zu Beginn des Turniers einfach ankündigen können: "Am Ende der Klub-WM werde ich einen Fifa-Friedenspreis verleihen." Er hätte noch nicht einmal sagen müssen, an wen. Damit hätte Trump zumindest einen Anreiz gehabt, sich bis dahin zusammenzureißen. Stattdessen hat Infantino den Preis viel zu früh vergeben und jede Form von Einfluss aus der Hand gegeben. Präsident Trump weiß, dass er dieses Schiff steuert. Und Infantino ist in vielerlei Hinsicht nur eine Muschel, die sich an dieses Schiff geheftet hat.

Die Reaktionen auf Trumps Eingreifen scheinen wieder entlang der politischen Gräben in den USA zu verlaufen. Kritik kommt vorrangig von Demokraten. Republikaner wie Senator Tom Cotton verteidigen Trump und sagen: Er sei zwar nicht der größte Fußballfan, aber er empfände es als großartig, dass der Präsident sich so für die Nation einsetzen würde.

Wer einen Satz mit den Worten "Ich bin nicht der größte Fußballfan, aber …" beginnt, dessen Aussagen nach dem "aber" kann man eigentlich sowieso ignorieren. Davon abgesehen kann man durchaus argumentieren, dass Trump hier "Sportswashing" betreibt.

Was beschreibt dieser Begriff?

Viele verwenden diesen Begriff bei Ländern wie Katar oder Russland, scheuen sich aber davor, ihn auf Politiker wie Donald Trump anzuwenden, weil sie die Vereinigten Staaten als Demokratie betrachten. Ich halte das seit Langem für ethnozentrisch, wenn nicht sogar fremdenfeindlich. Man kann Sportswashing so definieren: Politische Anführer nutzen den Sport, um von gesellschaftlichen Problemen und Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land abzulenken. Sie lassen sich auf der nationalen und internationalen Bühne wichtiger erscheinen, um ihre politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Interessen voranzutreiben. Hier passiert genau das.

Was ist Trumps Ziel?

Der Präsident interessiert sich nicht dafür, was Menschen anderswo auf der Welt denken. Ihm ist egal, was die Menschen in Belgien denken. Es ist ihm – ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen – auch egal, was die Menschen in Deutschland oder Grönland denken. Sein Publikum für dieses Sportswashing sitzt in den Vereinigten Staaten. Er will vor seiner MAGA-Basis wichtig aussehen. Er will sich als bedeutender Staatsmann auf der Weltbühne inszenieren – gerade in einer Zeit, in der seine Anhänger kritische Fragen zu den Epstein-Akten stellen und seine Zustimmungswerte auf einem Tiefpunkt liegen. Genau das erleben wir hier: Trump nutzt den Sport zu seinem politischen Vorteil.

Was macht ihn dabei so erfolgreich?

Was ich an Donald Trump immer besonders interessant fand, ist, dass er die These bestätigt, man könne politisch erfolgreicher sein, indem man weniger offensichtlich Politik macht. Der Sport ermöglicht ihm genau das. Schon im Wahlkampf hat Trump Sport genutzt, um Menschen hinter sich zu versammeln. Schaut man sich seine Wähler an, dann haben ihn gerade viele junge Männer unterstützt, die Mixed Martial Arts und andere Sportarten verfolgen. Trump hat gerade erst angefangen. Er hat noch reichlich Zeit, die Sportswashing-Maschine bei dieser WM richtig auf Touren zu bringen.

Bemerkenswert ist, wie politisch die Folgen inzwischen sind. Selbst die Europäische Kommission hat sich inzwischen geäußert. Plötzlich wirkt es so, als stünden Europa und der Rest der Welt den USA gegenüber – wegen einer Roten Karte.

Ja, ganz offensichtlich brauchten die Vereinigten Staaten und Europa nur noch einen weiteren Streitpunkt. Also hat Trump Ihnen einfach einen geliefert.

Verwendete Quellen

  • Telefon-Interview mit Jules Boykoff

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