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Huthi-Vorstoß am Golf: Trumps Krieg wird immer teurer

1 month ago 7

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Neue Eskalation am Golf

Es ist ein Schock


14.09.2026 - 18:09 UhrLesedauer: 6 Min.

 Huthi-Anhänger demonstrieren im Jemen während einer Kundgebung gegen den amerikanisch-israelischen Krieg im Iran.Vergrößern des Bildes

Quelle: Osamah Abdulrahman/dpa

Die Huthis attackieren Saudi-Arabien und bedrohen zugleich eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Die Folgen reichen weit über den Golf hinaus – bis zur deutschen Wirtschaft.

Die Sirenen heulen im Süden Saudi-Arabiens. In Abha und Chamis Muschait sollen sich die Menschen in Sicherheit bringen. Wieder drohen Raketen und Drohnen aus dem Jemen. Die Huthi-Miliz nimmt nach eigenen Angaben einen wichtigen Luftwaffenstützpunkt des Königreichs ins Visier. Waffenlager, Hangars, Startbahnen – Dutzende Geschosse sollen die Kämpfer abgefeuert haben. Saudi-Arabien schweigt zunächst zu den Vorfällen.

Aber der Angriff auf militärische Ziele ist nur ein Teil der Geschichte.

Denn gleichzeitig kämpft das Königreich um etwas, das für seine Macht noch wichtiger ist: sein Öl. Nach Drohnenangriffen wurde die rund 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline stillgelegt. Gleichzeitig haben die Huthis im Jemen die Hafenstadt Mokka und strategisch wichtige Inseln eingenommen. Ihr Vormarsch reicht damit bis an die Meerenge Bab al-Mandab, eine der wichtigsten Handelsrouten zwischen Asien und Europa.

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Den Huthis geht es nicht mehr nur um die militärischen Ziele in Saudi-Arabien, sondern auch um dessen Ölwirtschaft. So wird das Königreich plötzlich von zwei Seiten bedrängt. Es ist ein überraschender Sturm, dessen Ursprung Donald Trumps Krieg gegen den Iran war. Der US-Präsident erntet nun auch das Chaos, welches er selbst am Golf gesät hat. Der Krieg sollte Teheran schwächen. Stattdessen hat er eine Dynamik ausgelöst, die längst weit über den Iran hinausreicht.

Saudi-Arabiens militärisches Problem

Dabei haben Teheran und seine Verbündeten eine empfindliche Schwachstelle ihrer Gegner gefunden. Saudi-Arabiens wirtschaftliche Macht hängt an Pipelines, Häfen und sicheren Seewegen. Genau dort setzen die Angriffe der Huthi-Rebellen an.

Im Osten ist die Straße von Hormus wegen des Krieges mit dem Iran weitgehend blockiert. Im Westen können die Huthis saudische Transporte durch das Rote Meer bedrohen. Dazwischen verläuft jene Pipeline, die eigentlich als Ausweichroute dienen soll – und nun selbst ausgefallen ist. Aus einem regionalen Krieg ist damit längst eine ernsthafte Bedrohung für die Weltwirtschaft geworden.

Eigentlich müssten die Kräfteverhältnisse eindeutig sein. Saudi-Arabien verfügt über moderne Kampfflugzeuge, westliche Raketenabwehr und enorme finanzielle Ressourcen. Die Huthis dagegen operieren aus einem der ärmsten Länder der Welt. Doch sie führen einen asymmetrischen Krieg.

Krieg flammt wieder auf

In mehr als einem Jahrzehnt haben sie gelernt, saudischen Luftangriffen zu widerstehen. Teile ihrer militärischen Infrastruktur liegen im Untergrund. Gleichzeitig haben sie ihr Arsenal aus Drohnen und Raketen ausgebaut. Ihre Truppen sind kampferprobt.

Das saudische Königreich kennt dieses Problem. 2015 griff Saudi-Arabien in den Bürgerkrieg im Jemen ein, um die Huthis zurückzudrängen. Trotz jahrelanger Bombardierungen konnte es die Miliz nicht besiegen. Erst die Waffenruhe von 2022 brachte eine längere Phase relativer Ruhe. Nun flammt der Krieg wieder auf.

Und diesmal brauchen die Huthis keinen klassischen militärischen Sieg. Sie müssen weder die saudische Armee schlagen noch große Gebiete des Königreichs erobern. Es reicht, Energieanlagen und Exportrouten zu bedrohen. Denn Saudi-Arabiens Wohlstand beruht nicht nur darauf, Öl zu besitzen. Das Königreich muss es auch zuverlässig exportieren können.

Der Angriff auf Saudi-Arabiens Ausweichroute

Dafür ist die Ost-West-Pipeline entscheidend. Sie transportiert Rohöl quer über die Arabische Halbinsel an das Rote Meer und ermöglicht es Saudi-Arabien, die Straße von Hormus teilweise zu umgehen. Seit der Iran-Krieg den Schiffsverkehr dort massiv eingeschränkt hat, ist diese Verbindung noch wichtiger geworden. Jetzt ist sie vorerst außer Betrieb.

Gleichzeitig verändert der Vormarsch der Huthis die Lage am anderen Ende der Route. Die Miliz kontrolliert nach Angaben aus dem Jemen wichtige Gebiete entlang der Westküste sowie strategische Inseln an der Meerenge Bab al-Mandab. Durch diese führt die kürzeste Seeverbindung vom Indischen Ozean über den Suezkanal nach Europa.

Die Huthis erklären, ihre Blockade gelte allein Saudi-Arabien. Doch bereits das Risiko weiterer Angriffe kann Reedereien zu Umwegen zwingen und Versicherungsprämien verteuern.

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Der Iran hat einen zusätzlichen Hebel in der Hand. Teheran bestreitet, den jüngsten Huthi-Vormarsch zu steuern. Tatsächlich verfolgen die Huthis eigene Ziele und sind keine bloßen Befehlsempfänger des Iran. Gleichzeitig unterstützt Teheran die Miliz seit Jahren mit Waffen, Technologie und Fachwissen. Im Konflikt mit den Vereinigten Staaten laufen ihre Interessen derzeit zusammen.

Der Ölmarkt wartet nicht auf die nächste Explosion

Diese Unsicherheit hat längst einen Preis. Ein Fass der Ölsorte Brent kostete am Montag rund 107 Dollar. Ende Februar waren es noch etwa 72 Dollar. Der Markt wartet nicht darauf, dass tatsächlich Millionen Barrel fehlen. Schon die Gefahr, dass eine weitere Pipeline getroffen, ein Tanker angegriffen oder eine Route gesperrt wird, treibt den Preis.

Die Warenströme verändern sich bereits. Nach Angaben von S&P Global Commodity Insights sank der Transport von Rohöl und Kondensaten durch Bab al-Mandab von 3,14 Millionen Barrel täglich im Juli auf 1,5 Millionen im August.

Kurzfristig lassen sich solche Störungen mit Lagerbeständen, verschobenen Lieferungen oder anderen Lieferanten auffangen. Dauert die Krise an, wird das schwieriger. Längere Transportwege binden Tanker, verknappen Frachtraum und erhöhen die Kosten.

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Der Angriff trifft deshalb nicht nur saudische Infrastruktur. Er beschädigt die Verlässlichkeit des internationalen Ölhandels.

Deutschland bekommt den Schock doppelt zu spüren

Wie schnell diese Entwicklung Deutschland erreicht, ist bereits an den Tankstellen zu spüren. Nach Angaben des Spritpreisportals Tankerkönig kostete Super E10 am Samstag bundesweit durchschnittlich 2,27 Euro je Liter. Diesel lag bei knapp 2,40 Euro. Am Wochenende wurden beim Diesel regional sogar Preise von bis zu 2,59 Euro gemeldet. Am Montagmorgen gab Benzin mit rund 2,26 Euro zunächst nur leicht nach.

Damit bewegen sich die Preise bereits in der Nähe früherer Rekordstände. Natürlich folgt der Preis an der Zapfsäule nicht eins zu eins dem Rohölpreis. Auch Wechselkurse, Raffineriekapazitäten, Steuern, Nachfrage und Transportkosten spielen eine Rolle. Aber je länger Rohöl teuer bleibt, desto stärker wächst der Kostendruck.

Die erneute Eskalation macht sich nicht nur durch hohe Spritpreise bemerkbar. Diesel bewegt Lastwagen, Kerosin Flugzeuge und Treibstoff Frachter. Gleichzeitig trifft die Krise am Roten Meer eine der wichtigsten Handelsrouten zwischen Asien und Europa. Meiden Reedereien den Suezkanal und fahren um das Kap der Guten Hoffnung, verlängern sich die Reisen. Schiffe verbrauchen mehr Treibstoff, Container sind länger gebunden und Lieferungen erreichen Europa später.

Damit droht Deutschland ein doppelter Preisschock: durch teurere Energie und teurere Handelswege.

Trump gerät in ein strategisches Dilemma

Diese Entwicklungen führen zurück zu Donald Trump. Der US-Präsident begann gemeinsam mit Israel den Krieg gegen den Iran mit dem Anspruch, Teheran entscheidend zu schwächen. Ein halbes Jahr später zeigt sich, wie schwer sich die Folgen einer militärischen Fehlkalkulation begrenzen lassen.

Saudi-Arabien wollte diesen Krieg nicht. Nun wird das Königreich selbst immer stärker hineingezogen. Nach übereinstimmenden Berichten sprach Kronprinz Mohammed bin Salman in der vergangenen Woche mit Trump über ein stärkeres amerikanisches Vorgehen gegen die Huthis. Direkte US-Angriffe lehnte der Präsident bislang ab. Washington unterstützt Saudi-Arabien allerdings bei Aufklärung und militärischer Planung.

Trumps Zögern ist nachvollziehbar. Die Vereinigten Staaten befinden sich bereits im Krieg mit dem Iran. Eine große Kampagne gegen die Huthis würde eine weitere Front eröffnen – gegen einen Gegner, den weder Saudi-Arabien noch die USA mit jahrelangen Luftangriffen dauerhaft ausschalten konnten.

Doch auch Zurückhaltung hat einen Preis. Wenn Washington nicht stärker eingreift, muss Riad entscheiden, ob es erneut einen größeren Krieg im Jemen wagt oder nach einem politischen Ausweg sucht. Eine Offensive könnte das Königreich wieder in einen jahrelangen Abnutzungskampf führen. Verhandlungen würden dagegen zu einem Zeitpunkt beginnen, an dem die Huthis so stark auftreten wie lange nicht.

Treffen wurde kurzfristig verschoben

An Diplomatie führt kein Weg vorbei, aber die Gespräche stecken fest. Das geplante Treffen der Golfstaaten zur Straße von Hormus wurde zunächst verschoben; die jüngste Eskalation im Jemen spielte dabei nach Angaben aus Teheran eine Rolle.

Viel Zeit bleibt den Beteiligten nicht. Denn entscheidend ist nun weniger, ob morgen noch eine Rakete einschlägt. Entscheidend ist, ob aus dem Ausnahmezustand eine neue Normalität wird: Hormus eingeschränkt, Bab al-Mandab unsicher, saudische Exportwege angreifbar und Öl dauerhaft teuer. Gelingt es Washington und den Golfstaaten nicht, diesen Kreislauf zu durchbrechen, verändert sich der Krieg. Dann wird nicht mehr nur um Territorium, Stützpunkte oder politische Macht gekämpft. Dann wird die Weltwirtschaft selbst zum Schlachtfeld.

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Internationale Politik von A bis Z

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