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Ukraine überrumpelt russische Soldaten mit neuer Taktik
Aktualisiert am 22.10.2026 - 17:54 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein ukrainischer Soldat mit einer Schrotflinte: In den vergangenen Wochen hat die Armee der Ukraine einige Geländegewinne erzielt. (Quelle: IMAGO/Dmytro Smolienko / Avalon)
Durch stillgelegte Gasleitungen sind ukrainische Soldaten 15 Kilometer unbemerkt vorgerückt. Die Militärführung bezeichnet die Operation als weltweit erste groß angelegte unterirdische Gegenoffensive.
Mit einer bislang wohl einzigartigen Militärtaktik hat die Ukraine in der Region Charkiw einen Überraschungserfolg erzielt: Soldaten unter Führung des 2. Khartiia-Korps der Nationalgarde drangen durch unterirdische Infrastruktur – darunter stillgelegte Gasleitungen – über mehr als 15 Kilometer vor, um russische Stellungen in der Nähe der Stadt Kupjansk von hinten anzugreifen. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben liegt bislang nicht vor.
Ukraine nutzt russische Taktik gegen den Feind
Vorausgegangen war ein taktischer Schachzug der russischen Seite: Nachdem die Ukraine russische Bodenvorstöße in der Region weitgehend gestoppt hatte, begannen russische Truppen laut ukrainischen Angaben damit, die dichte Gasleitungsinfrastruktur der Region für unterirdische Truppenbewegung zu nutzen. Das Ziel war, die ukrainischen Linien von hinten anzugreifen.
Die Ukrainer studierten diese Bewegungen sorgfältig, kamen dem geplanten russischen Vorstoß zuvor und wandten die Taktik dann gegen die russischen Truppen. "Die Russen glaubten, unterirdische Infrastruktur sei ihr exklusives Werkzeug, um unsere Verteidigung zu umgehen", sagte Brigadegeneral Ihor Obolienskyi, Kommandeur des Khartiia-Korps. "Wir haben ihr Vorgehen studiert, sie auf ihrem eigenen Terrain ausmanövriert und die Bedrohung in einen Vorteil für unsere Gegenoffensive verwandelt."
Kein GPS, kein Tageslicht, kein Funkkontakt
Die Operation, die den Namen "Veles" trägt – nach einem slawischen Gott der Unterwelt –, stellte außerordentliche Anforderungen an die beteiligten Soldaten. Ohne GPS, ohne Tageslicht und ohne zuverlässige Funkverbindung navigierten die Truppen durch beengte unterirdische Passagen. Ingenieure und Kampfpioniere legten die Routen an; die Soldaten wurden eigens auf das Operieren in geschlossenen Räumen vorbereitet.
An der Oberfläche rückten parallel andere ukrainische Einheiten vor. Drohnenverbände – darunter die 429. Achilles-Brigade – koordinierten ihre Angriffe über ein gemeinsames Lagezentrum mit der unterirdischen Stoßgruppe: ein Zangenangriff auf zwei Ebenen.
Russland verliert mehr als 100 Soldaten – laut Kiew
Die ukrainische Seite beziffert das Ergebnis der Operation so: Die russischen Verluste sollen mehr als 100 Soldaten betragen haben, mehr als 30 wurden demnach gefangen genommen. Diese Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen; Russland hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert. Der geplante russische Vorstoß in den Rücken der ukrainischen Stellungen bei Kupjansk wurde nach ukrainischen Angaben unterbunden.
An der Operation waren mehrere Einheiten beteiligt, darunter die 13. Khartiia-Brigade, das 23. Sturmregiment sowie Einheiten des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR – darunter auch die Legion Freiheit Russlands und das Russische Freiwilligenkorps.
"'Veles' beweist, dass es für jene, die Initiative und Technologie besitzen, keinen Stellungskrieg ohne Ausweg gibt", erklärte Obolienskyi. "Unsere Truppen sind 15 Kilometer unterirdisch vorgestoßen – dort, wo bislang keine Armee der Welt vorgedrungen ist."


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