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Polizei ermittelt gegen Polizisten: Wende im Waffenskandal

3 days ago 5

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Neue Entwicklungen im Waffenskandal

Jetzt wird in den eigenen Reihen ermittelt

  • Carsten Janz

06.06.2026 - 17:20 UhrLesedauer: 5 Min.

 Sie muss nun gegen sich selbst ermitteln.Vergrößern des Bildes

Polizei (Symbolbild): Sie muss nun gegen sich selbst ermitteln. (Quelle: Luca Field via www.imago-images.de/imago-images-bilder)

Ein Sammler aus Schleswig-Holstein wurde beschuldigt, illegal Waffen hergestellt zu haben. Recherchen von t-online konnten massive Fehler in den Ermittlungen dokumentieren. Nun wird auch gegen einen ehemaligen Polizisten ermittelt.

Das Landeskriminalamt in Schleswig-Holstein ermittelt im Fall eines Waffensammlers aus Schwesing bei Husum nun auch gegen mindestens einen ehemaligen Polizisten. Dieser soll Akten manipuliert haben, aus denen hervorgehen könnte, wo sich einige der Waffenteile befinden.

Bei dem Waffensammler Peter Frank hatten Waffenbehörde und Landeskriminalamt im Jahr 2021 gut 1.000 Waffen sichergestellt. Sie warfen ihm vor, er habe illegal Waffen hergestellt und sei unzuverlässig – also nicht berechtigt, Waffen zu besitzen. Das Verfahren wurde eingestellt. Bei dieser Durchsuchung sind nach Recherchen von t-online mindestens 150 Waffen aus der Hand der Behörden verschwunden, auch Waffenteile fehlen. Genau diese Waffenteile stehen nun im Fokus neuer Ermittlungen.

Denn: Möglicherweise hat ein damals eingesetzter Polizeibeamter Aktenbestandteile, auf denen Asservate vermerkt waren, verschwinden lassen oder manipuliert. Auch die betreffenden Waffenteile sind nicht mehr auffindbar.

Die nun angelaufenen neuen Ermittlungen gegen den ehemaligen Polizisten sind ein Wendepunkt in dem Skandal um die verschwundenen Waffen. Für den Anwalt des Waffensammlers wird sich anhand dieser Ermittlungen zeigen, wie ernst die Staatsanwaltschaft die Aufklärung rund um die verschwundenen Waffen nimmt und wie genau sie auf mögliche Fehler der Beamten schaut.

Waffen für private Zwecke?

Man muss tatsächlich sehr genau hinschauen, um zu erkennen, dass die Strafakte im Verfahren gegen den Waffensammler Peter Frank offensichtlich manipuliert wurde. Peter Frank hat das getan und Anzeige erstattet – gegen diesen Polizeibeamten, mittlerweile außer Dienst. Der im Raum stehende Verdacht: Der Beamte könnte Waffenteile von Peter Frank für private Zwecke abgezweigt haben. Der konkrete juristische Tatvorwurf lautet: Verdacht der Urkundenfälschung.

Es geht bei all dem um Waffenteile, die Peter Frank legal besessen hatte. Bis die Waffenbehörde 2017 den Vorwurf erhob, Frank hätte illegal Waffen hergestellt. Frank hatte gut 1.000 Waffen in seiner Waffenkammer, galt als vorbildlicher Waffensammler, bis er eine Mail an die Waffenbehörde weiterleitete, in der er eine Mitarbeiterin der Waffenbehörde als "langsam" betitelte. Diese war offenbar verärgert und ließ ihm die Waffen wegnehmen. t-online berichtete ausführlich über fehlerhafte Ermittlungen, Waffen, die aus der Hand der Behörden verschwanden, manipulierte Akten, befangene Richterinnen und darüber, dass die Polizei eine scharfe Waffe nicht als solche erkannte.

Wenn die Polizei oder die Waffenbehörde Waffen von einem Sammler konfisziert, dann müssen diese genaustens dokumentiert werden. Zu groß ist die Gefahr, dass Waffen oder Waffenteile verloren gehen, die später bei Straftaten eingesetzt werden könnten. Die Polizei will hier auf Nummer sicher gehen und legt daher großen Wert auf die Erstellung von Asservatenlisten.

Mehrfach zwischen 2021 und 2022 waren die Behörden bei Peter Frank. Immer wieder nahmen sie Waffen mit – und hätten dabei solche Listen erstellen sollen. Das haben sie teilweise auch – nur häufig fehlerhaft. Teils sind die Waffen falsch oder gar nicht dokumentiert, teils tauchen Waffennummern doppelt auf oder es fehlen Suffixe, also kleine Buchstaben in den Seriennummern der Waffen. Damit wurden andere Waffen dokumentiert, als Frank wirklich hatte.

Offensichtliche Fehler

Nun aber gibt es nicht nur diese offensichtlichen Fehler in der Dokumentation, die sich im Zweifel noch mit schlampiger Arbeit der Einsatzkräfte erklären lassen. Sondern aus der Akte geht sehr deutlich der Verdacht hervor, dass ganze Teile der Dokumentation aus der Akte entfernt wurden.

Konkret geht es um eine Durchsuchung am 14. April 2021. An diesem Tag wurden Waffen und Waffenteile bei Peter Frank von der Polizei abgeholt. Das Protokoll dieser Durchsuchung hat sechs Seiten und darauf sind die Teile niedergeschrieben, die die Polizei mitgenommen hat. Die Teile bekamen dabei jeweils eine Nummer: Beginnend mit 1.1.1 auf Seite 1 ziehen sich die Nummern bis auf Seite fünf zu 2.16. Auch wenn noch Platz auf dieser Seite fünf ist, streicht der Beamte die noch übrigen freien Zeilen auf der Seite durch. Und hier beginnen die Merkwürdigkeiten.

Denn auf der nächsten Seite, der Seite sechs, geht es nicht mit der Ziffer 2.17 oder 3.1 weiter – sondern mit 4.1. Hier fehlen also Ziffern. Ein einfacher Fehler, bei dem Ziffern übersprungen wurden? Sehr wahrscheinlich nicht. Denn wenn man genau hinschaut, sieht man, dass auf der letzten Seite der Niederschrift Zahlen durchgedrückt sind. Offenbar, weil der Beamte sehr stark aufgedrückt hat beim Erstellen der Liste. Diese durchgedrückten Zahlen sind die fehlenden Zahlen 2.17 bis 2.25. Und Peter Frank konnte auf den Originalseiten, die er am Tag der Durchsuchung ausgehändigt bekommen hat, sogar sehen, dass Waffenteile hinter diesen Zahlen notiert waren. Frank zu t-online: "Es fehlen Teile von wertvollen Sammlerstücken."

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Falsche Nummerierung von Aktenseiten

Es gibt aber noch weitere Merkwürdigkeiten in der Akte. In Band I, auf den Seiten 46 bis 51, tragen die Originalblätter (blau) am oberen Rand handschriftliche Seitenzahlen von 1 bis 6 – wobei die ersten drei eingekreist sind, die übrigen nicht. Es gibt also eine Differenz, die sich erst einmal nicht erklärt.

Denn die weißen Durchschläge, die Frank zu Hause übergeben bekommen hat, weisen eine auffällige Diskrepanz auf: Lediglich die ersten drei Blätter sind nummeriert, die Seiten vier bis sechs hingegen nicht. Das legt für Frank den Verdacht nahe, dass der Kriminalhauptkommissar die Blätter nach dem mutmaßlichen Entfernen einer Seite neu geordnet und dabei die Nummerierung auf den Durchschlägen nicht vollständig nachgeführt haben könnte.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Manipulationen an der Akte festgestellt werden konnten. So hatte genau dieser Polizeibeamte auf einem Protokoll nachträglich Kreuze gemacht, die dokumentieren sollten, dass Peter Frank mit der Mitnahme der Waffen einverstanden war. Dieses Kreuz hat Frank aber nie gesetzt; der Mitnahme der Waffen hat er nicht zugestimmt.

Das Verfahren gegen Peter Frank ist mittlerweile eingestellt. Keiner der Vorwürfe hat der gerichtlichen Überprüfung standgehalten. Frank geht nun selbst in die Offensive und hat unter anderem den betreffenden Polizeibeamten wegen Urkundenfälschung angezeigt. Die Staatsanwaltschaft in Flensburg hat t-online bestätigt, dass mittlerweile ein Ermittlungsverfahren gegen ihn läuft.

Für Franks Anwalt Werner Linn ist die Sachlage eigentlich klar: Die Polizei und die Waffenbehörde seien mit der ganzen Aktion gegen Frank über das Ziel hinausgeschossen. Haben sie jetzt den Mut, aufzuklären, ob Beamte sich strafbar gemacht haben? Sicher scheint das nicht.

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