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Orgo-Life the new way to the future Advertising by AdpathwayGuten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
Bequemlichkeit ist schädlich, Geiz ist es erst recht. Kombiniert tragen die beiden Laster dazu bei, den Planeten zugrunde zu richten. Weil der Mensch halt ist, wie er ist, weil er gedankenlos konsumiert, statt das Hirn einzuschalten, und weil er die Konsequenzen seines egoistischen Verhaltens ignoriert. Ab heute könnte sich das ändern – zumindest ein wenig. Eine neue europaweite Vorschrift dämmt die menschliche Dummheit ein und macht die Welt ein kleines bisschen besser. Das stimmt hoffnungsvoll und ist als Nachricht gar nicht zu überschätzen. Der Reihe nach.
Zwischen 340 und 360 Tonnen CO2 bläst ein durchschnittliches Frachtflugzeug auf dem Weg von China nach Deutschland in die Atmosphäre. Das entspricht 3.000 Autofahrten von Hamburg nach München. Bis zu 35.000 Bäume bräuchten ein volles Jahr lang, um diese Treibhausgasmenge zu kompensieren. Die Jets aus Shanghai, Shenzhen und Zhengzhou transportieren nicht nur Maschinenteile, Seltene Erden und Elektronik für deutsche Firmen, sondern in letzter Zeit auch immer mehr Billigklamotten. Schlappe 6,93 Euro kostet ein T-Shirt im chinesischen Onlineshop Temu, eine Damenjeans beim Konkurrenten Shein ist für 9,75 Euro zu haben. Amazon, Zalando und andere Internetfirmen bieten chinesische Kleidungsstücke ebenfalls spottbillig an.
Und Millionen Kunden in Deutschland und Europa greifen begeistert zu: Klick – bestellt! Klick – noch ein paar lustige Socken dazu! Klick – und die Turnschuhe, die womöglich passen (oder auch nicht). Klick, klick, klick! So sieht sie aus, die globale Konsumgesellschaft: Man shoppt in Sekundenschnelle, lässt sich das Produkt vom anderen Ende der Welt liefern, trägt es ein paar Wochen und wirft es dann weg, um etwas Neues zu bestellen. Geht so einfach, ist so günstig, macht so großen Spaß.
Und trägt dazu bei, die Umwelt zu zerstören. Wer sich Produkte über zigtausende Kilometer Entfernung liefern lässt, nimmt massive Treibhausgasemissionen in Kauf, die den Planeten immer weiter aufheizen. Wie sich eine Hitzewelle mit mehr als 40 Grad Celsius anfühlt und welche Schäden sie anrichtet, haben die Mitteleuropäer gerade erst erlebt – künftig dürfte es noch heißer werden. Doch aus eigenem Antrieb sind die wenigsten Zeitgenossen bereit, ihren Lebenswandel zu hinterfragen und ihr Verhalten zu ändern. Warum ich? Sollen doch erst mal die anderen beginnen! So lautet der fatalste Irrglaube des 21. Jahrhunderts. Er ruiniert die Lebensgrundlagen.
Deshalb ist es gut, dass die Europäische Union jetzt auf die Bremse tritt und den gedankenlosen Shopping-Wahn reglementiert. Bisher konnten chinesische und andere nichteuropäische Onlineshops bis zu einer Freigrenze von 150 Euro zollfrei Waren in die EU importieren. Deshalb schicken sie jeden Fummel einzeln hierher, und die Pakete türmen sich zu gigantischen Stapeln. Im vergangenen Jahr waren es in der EU sage und schreibe 5,9 Milliarden zollfreie Sendungen mit niedrigem Warenwert, viermal so viele wie drei Jahre zuvor. Mehr als 90 Prozent stammten aus China.
Jetzt greift die EU endlich ein: Ab heute ist die Freigrenze in allen Staaten der Union abgeschafft, pro Warengruppe fallen nun in jeder Sendung 3 Euro an. Also 3 Euro für die beiden T-Shirts, 3 Euro für die Smartphone-Hülle und noch mal 3 Euro für die Thermosflasche, auch wenn sie im selben Paket liegen. Weil die ausländischen Onlineshops die Gebühren vermutlich 1:1 auf die Preise aufschlagen, werden die Produkte also teurer. Immer noch nicht teuer genug, um gewissenlose Kaufrauschjünger abzuschrecken, aber in Zeiten klammer Kassen und geschröpfter Portemonnaies dürfte es sich mancher Kunde nun zweimal überlegen, bevor er bei Temu, Shein und Co. auf "Bestellen" klickt.
Und bei den 3 Euro muss es nicht bleiben, die EU könnte die Gebühr erhöhen. Pakete ohne den erforderlichen Stempel werden zurückgeschickt. Die Regel gilt zunächst für zwei Jahre, anschließend soll eine Digitalplattform zur Kontrolle aller Warenströme folgen, dann wird jedes Importprodukt ab dem ersten Euro zollpflichtig. Eine Bearbeitungsgebühr für Internetbestellungen kommt hinzu.
Der Umweltschutz kommt viel zu langsam voran, aber die neue Zollregel der EU zeigt, wie es geht. Nicht nur Windräder, Sonnenkollektoren, Stromspeicher und smarte Netze helfen dem Klima, auch staatliche Lenkung wirkt. Schädliches muss teurer werden, Sinnvolles günstiger. So sieht verantwortungsvolle Politik im Namen der Bürger aus.
Fliegt Nagelsmann raus?
Das blamable Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Amerika erschüttert die Sportwelt. Auch das Interesse an den Beiträgen unserer Redaktion ist riesig; manche Artikel finden mehrere Hunderttausend Leser. Und natürlich gibt es in einem Land mit 83 Millionen Bundestrainern mindestens genauso viele Meinungen, was nun zu tun ist. Unser Kolumnist Stefan Effenberg, der vor drei Jahrzehnten selbst eine verkorkste WM erlitt, fordert vom DFB eine schonungslose Aufarbeitung und einen klaren Schnitt: Veteranen raus, neue Kicker rein. Auch der Druck auf Bundestrainer Julian Nagelsmann wächst, viele Kommentatoren halten ihn ebenso wie ich aufgrund seiner offensichtlichen Fehlentscheidungen nicht mehr für haltbar. Erfolgstrainer Jürgen Klopp tut das Seine, um sich mit gefälligen Fernsehkommentaren in Stellung zu bringen – läuft er sich für die Amtsübernahme warm?
Bundeskanzler Friedrich Merz hingegen zeigt sich "stolz" auf die deutsche Zittertruppe und erntet deshalb beißenden Spott. "Sein Blabla fliegt ihm um die Ohren", kommentiert mein Kollege Philipp Michaelis, der seit dem Abpfiff des unseligen Sechzehntelfinales quasi rund um die Uhr durch unseren Newsroom in Berlin gewirbelt ist.
Denn das ist der Lichtblick bei so einem Sportdebakel, das Millionen Menschen aufrüttelt: Nach stundenlanger Berichterstattung kann man als Chefredakteur bärenstolz auf die eigene Mannschaft sein. Auf das Ressort unseres Sportchefs Andreas Becker, auf die Chefs vom Dienst im Team von Lukas Martin und Daniel Fersch, auf die Nachtredaktion unter der Leitung von Anna-Lena Janzen, auf das Videoteam von Christin Brauer – ach, eigentlich auf diese ganze wunderbare Redaktion, in der jede und jeder reinhaut, um das beste Programm für unsere Leser, Zuschauer und Hörer zu gestalten.
Bei t-online haben wir eine Tradition: Für besondere Verdienste erhalten Kollegen den "Helden des Tages", eine kleine, aber feine Trophäe, die morgens feierlich vor versammelter Mannschaft überreicht wird. Heute verleihe ich sie ausnahmsweise mal nicht erst in unserer Morgenkonferenz um 8.30 Uhr, sondern schon drei Stunden früher, wenn der Tagesanbruch-Newsletter versandt wird – und zwar an die gesamte Redaktion. Ich hoffe auf Ihre Zustimmung.


3 weeks ago
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