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Orgo-Life the new way to the future Advertising by AdpathwayGuten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
stellen Sie sich vor, Sie wären Wladimir Putin. Zugegeben, keine besonders angenehme Vorstellung. Aber bleiben wir für einen Moment dabei. Sie führen seit fast fünf Jahren einen mörderischen Krieg, haben unzählige Menschenleben auf dem Gewissen und kommen mit Ihrer Armee trotzdem kaum noch voran. Die Ukraine wehrt sich hartnäckig, möchte nicht kapitulieren, greift nun auch immer erfolgreicher Russland an. Und Sie verfehlen Ihre Kriegsziele auch im Jahr 2026.
Eigentlich müssten Sie ziemlich schlechte Laune haben. Doch dann schauen Sie nach Washington. Donald Trump macht Ihnen Zugeständnisse, sein Berater Steve Witkoff nennt Sie einen "Humanisten". Und in Europa streiten die Regierungen darüber, wie lange sie sich die Unterstützung der Ukraine noch leisten können. Das dürfte selbst Ihnen als Kremlchef ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Denn während Ihre Generäle an der Front kaum Erfolge vorweisen können, bekommen Sie ausgerechnet von den westlichen Gegenspielern politischen Rückenwind. Allen voran von Donald Trump.
Und der US-Präsident hat ein Problem: Er muss Wahlen gewinnen. Am 3. November stehen in den USA die Zwischenwahlen an. Die Meinungsumfragen für Trumps Republikaner sind katastrophal. Der Krieg gegen den Iran hat die Energiepreise steigen lassen. Besonders der teure Diesel belastet die Amerikaner. Die US-Regierung braucht also billigen Sprit. Und dafür kommt ihr Putin gerade recht.
Washington erleichtert bestimmte Geschäfte mit russischen Energieträgern und verschiebt weitere Sanktionen gegen Russland. Gleichzeitig verlangt Trump von der Ukraine, ihre Angriffe auf russische Raffinerien einzuschränken. Man muss sich das vorstellen: Russland zerstört ukrainische Kraftwerke. Aber die Ukraine soll aufhören, russische Ölanlagen anzugreifen. Schließlich könnte das den Dieselpreis in Amerika erhöhen.
Verkehrte Welt? Nein, es ist Trumps Welt. Der US-Präsident erhöht den Druck auf Kiew, soll laut ukrainischen Angaben die Lieferung von Flugabwehrraketen verzögern und Starlink und Starshield zeitweise abschalten lassen. Das ist fatal. Denn es ist vor allem Starshield, also das militärisch genutzte Satellitennetzwerk, was die ukrainische Bevölkerung vor heranfliegenden Raketen und Drohnen warnt. Fällt es aus, können sie sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen. Es sterben Menschen, weil Trump politisch profitieren möchte.
Und in Europa? Dort wächst ebenfalls der Druck auf viele Regierungen. Die Hilfe für Kiew kostet Milliarden. Gleichzeitig streitet Deutschland über Einsparungen bei Renten, Pflege und Sozialleistungen. Immer mehr Bürger fragen sich, warum für die Ukraine Geld vorhanden ist, während zu Hause gespart werden muss. Dabei ist es der ungeduldige Westen, der am Ende den Krieg verlängern könnte. Denn solange Putin denkt, die Ukraine-Unterstützung könnte bald zusammenbrechen, wird er versuchen, seine Kriegsziele zu maximieren. Und am Ende würde ein russischer Sieg Europa nicht sicherer machen. Deutschland müsste sogar womöglich noch mehr Geld für seine Verteidigung ausgeben.
Vielleicht muss Putin diesen Krieg also gar nicht auf dem Schlachtfeld gewinnen. Vielleicht reicht es ihm, weiterzukämpfen, auf Zeit zu spielen und darauf zu warten, dass die westliche Ukraine-Hilfe kollabiert. Fest steht: Putin muss den Frieden nicht wollen, solange der Westen ihm die Fortsetzung des Kriegs erleichtert.
Kann Trump die Ukraine zur Aufgabe zwingen? Und sind die russischen Gesprächsangebote wirklich ein Schritt in Richtung Frieden? Meine Kollegin Christin Brauer und ich sprechen über eine turbulente Woche in der Ukraine-Politik. Es bewegt sich etwas, aber für die Ukraine nicht unbedingt in die richtige Richtung.
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Trotz allem. Verlieren Sie nicht den Mut und haben Sie ein erholsames Wochenende.
Herzliche Grüße
Ihr
Patrick Diekmann
Leitender Redakteur Außenpolitik t-online


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