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Trump und Rubio erwägen offenbar, die US-Botschafterin zu feuern
Aktualisiert am 12.10.2026 - 02:15 UhrLesedauer: 4 Min.

Kimberly Guilfoyle (links) und Marco Rubio: Die US-Botschafterin in Griechenland steht nach mehreren Medienberichten in der Kritik. (Quelle: REUTERS/dpa-bilder)
Eine enge Trump-Vertraute steht massiv unter Druck: Die US-Botschafterin in Athen könnte Berichten zufolge abberufen werden.
Kimberly Guilfoyle, die seit 2025 als US-Botschafterin in Griechenland amtiert, steht zunehmend unter Druck. Einer Reihe von Berichten des "Wall Street Journal" zufolge soll die frühere Fox-News-Moderatorin und enge Vertraute der Trump-Familie ihre diplomatische Position mehrfach missbraucht haben. Ihr wird unter anderem Käuflichkeit ihres politischen Einflusses vorgeworfen.
US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio erwägen nun offenbar, die 57-Jährige von ihrem Posten in Athen abzuberufen. Das berichtete der "Guardian" unter Berufung auf Aussagen eines hochrangigen Regierungsbeamten, der anonym bleiben wollte. Demnach wollen Trump und Rubio wohl noch in dieser Woche eine Entscheidung treffen.
Der US-Präsident und sein Außenminister seien über Guilfoyles Verhalten "extrem verärgert", wird der Beamte zitiert. Rubio, dessen Ministerium für die Botschafter verantwortlich ist, habe besonders großen Unmut gezeigt.
US-Botschafterin drohte Athen wohl mit Regierungssturz
Das "Wall Street Journal" hat seit Ende September mehrfach über Guilfoyles Verhalten als Botschafterin berichtet. Bei einem Treffen mit griechischen Regierungsmitgliedern soll sie etwa angedeutet haben, die USA könnten die griechische Regierung stürzen. Demnach traf sich Guilfoyle im März 2026 unter anderem mit griechischen und US-amerikanischen Beamten zum Abendessen in Athen. Im Laufe des Abends sei Guilfoyle mit dem griechischen Energieminister Stavros Papastavrou aneinandergeraten. Mit Blick auf den damals bevorstehenden Zusammenbruch der rumänischen Regierung sagte Guilfoyle laut einer Teilnehmerin des Abendessens und anderen, die davon gehört hatten: "Das können wir mit jedem Land machen, das wir wollen. Das können wir auch hier."
In einem anderen Bericht berichtete das "Wall Street Journals", Guilfoyle habe die Geschäftsinteressen eines bestimmten griechischen Bau- und Energieunternehmens gefördert. Dessen Lobbyisten soll sie demnach Zugang zu vertraulichen diplomatischen Gesprächen verschafft haben.
Rubo verteidigte Guilfoyle – "Starke Botschafterin"
Rubio traf Guilfoyle erst vergangene Woche in Athen. Bei einer Pressekonferenz wiegelte er angesprochen auf die Berichte jedoch ab: Dies sei nicht der richtige Rahmen für derlei Fragen. "Unsere Botschaft hier leistet hervorragende Arbeit", sagte Rubio. Guilfoyle sei eine "starke Botschafterin."Guilfoyle war bei fast allen seinen Terminen in Griechenland dabei gewesen und hatte ihn bei seiner Ankunft mit einer herzlichen Umarmung begrüßt.
Während Rubios Besuch in Athen, veröffentlichte das "Wall Street Journal" jedoch Nachrichten, die belegen sollen, dass Guilfoyle den Trump-Spender Eric Deters um eine Überweisung in Höhe von 100.000 Dollar gebeten habe. Demnach soll Guilfoyle die dringende Bitte wenige Tage vor ihrer Anhörung im Senat platziert haben. Guilfoyle habe das Geld gebraucht, um Schulden bei American Express zu begleichen.
Demnach stand Guilfoyle seit Monaten in Kontakt mit Deters, der sie um Hilfe gebeten hatte, um die Aufmerksamkeit der Trump-Regierung auf persönliche steuerliche und rechtliche Angelegenheiten zu lenken – und ihr im Erfolgsfall Zahlungen von bis zu einer Million Dollar versprochen haben soll. Deters zufolge kam es allerdings nie zu einer Zahlung.
"Schatz, bitte, du musst das heute noch für mich erledigen", schrieb sie Deters demnach und fügte ein Emoji mit gefalteten Händen sowie eine Datei mit Anweisungen zur Zahlung hinzu. Deters habe das Geld so schicken sollen, dass die Überweisung im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar sei.
Rubios Unmut soll mit jedem Bericht weiter gewachsen sein
Vor seiner Abreise aus Athen soll Rubio gereizt auf Fragen von Journalisten wegen der Vorwürfe gegen Guilfoyle reagiert haben. Er wisse nicht, ob die Berichte der Wahrheit entsprächen, und werde sich nicht dazu äußern, solange er nichts bestätigen könne, so Rubio. An die Journalisten gewandt sagte er: "Ihr lauft herum und denkt, nur weil irgendeine Quelle euch etwas erzählt hat und ihr es veröffentlicht habt, sei es die reine Wahrheit. Das ist es nicht. Das ist es für mich nicht. So arbeiten wir nicht."
Den Angaben des "Guardian" zufolge teilte ein weiterer US-Regierungsbeamte mit, dass der Generalinspektor des Außenministeriums die Vorwürfe gegen Guilfoyle nun prüfe. Ob bereits eine offizielle Untersuchung eingeleitet worden sei, konnte der Informant jedoch nicht bestätigen. Generalinspektoren führen häufig zunächst informelle Vorprüfungen durch. Diese münden nicht zwingend in einem offiziellen Verfahren, dass disziplinarische Maßnahmen bis hin zur Entlassung nach sich ziehen kann. Das Außenministerium wollte sich US-Medien zufolge bislang nicht zu einer möglichen Untersuchung äußern.
Forderung nach Aufklärung
Einflussreiche demokratische Abgeordnete haben eine lückenlose Aufklärung gefordert: so etwa Gregory Meeks aus New York als ranghöchster Demokrat im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, Senatorin Jeanne Shaheen aus New Hampshire im Auswärtigen Ausschuss des Senats sowie Robert Garcia aus Kalifornien als führender Demokrat im Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses. "Das ist der jüngste Fall in einer langen Reihe von Korruptionsvorwürfen rund um die Trump-Regierung, und wir verlangen Antworten", sagte Garcia. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre das ein Fall von eklatantem Machtmissbrauch.
Auch aus Reihen der Republikaner gab es Kritik: "Was wir in den Berichten gesehen haben, ist sehr beunruhigend, es ist besorgniserregend", sagte Senator John Barrasso dem Sender CBS News. Er gehe davon aus, das Außenministerium werde eine Ermittlung einleiten. Zudem werde sich der zuständige Ausschuss im Senat der Sache annehmen.
Guilfoyle, die vor ihrer diplomatischen Karriere als TV-Moderatorin und Staatsanwältin in Kalifornien arbeitete, gilt schon länger als polarisierende Figur. Ihre Ernennung zur Botschafterin in Griechenland hatte bereits 2025 Ärger ausgelöst – Kritiker bemängelten fehlende Erfahrung und ihre Nähe zur Trump-Familie. Sie war einst mit Donald Trump Jr., dem Sohn des Präsidenten, verlobt.
Anwalt von Guilfoyle bestreitet Echtheit der Nachrichten
Die Botschafterin hat die Berichterstattung des "Wall Street Journals" bislang nicht direkt kommentiert. Wie die Zeitung berichtete, bestreitet Guilfoyle aber laut ihrem Anwalt die Echtheit der Nachrichten an Eric Deters. Wegen öffentlicher Auftritte sei ihr vor ihrer Anhörung im Senat Geld geschuldet worden. Deters sagte dem "Wall Street Journal" allerdings, keine Schulden bei Guilfoyle gehabt zu haben.
"Es war eindeutig ein Fall von Geld gegen Gefälligkeiten", sagte Deters dem Sender CBS News. Zu keinem Zeitpunkt habe er vorgehabt, Guilfoyle tatsächlich Geld zu schicken, behauptete er. Stattdessen habe er sich eine Ausrede ausgedacht. Wie CBS News berichtete, teilte Deters die Textnachrichten mit dem Sender, die Guilfoyles Anfrage nach den 100.000 Dollar zeigen.
Deters gilt als langjähriger Unterstützer von US-Präsident Donald Trump. Er hatte mehrfach ohne Erfolg für politische Ämter im US-Bundesstaat Kentucky kandidiert.


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