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Orgo-Life the new way to the future Advertising by AdpathwayAnsturm auf Ceuta
Meloni: "Italien wird nicht zusehen"
Aktualisiert am 31.07.2026 - 10:14 UhrLesedauer: 5 Min.
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Dutzende Männer strömen aus einem Lastwagen: Diese Szene wirft Fragen auf.
Zehntausende Migranten haben binnen kurzer Zeit die spanische Exklave Ceuta erreicht, mehrere Menschen sterben. Jetzt schickt Spanien Soldaten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Die Bilder aus der spanischen Exklave Ceuta versetzen Spanien und das europäische Ausland in Alarmstimmung. Menschen umschwimmen Kaimauern, durchbrechen Absperrungen und ziehen am Donnerstagsabend jubelnd durch die Straßen der Exklave. Ceuta liegt auf der afrikanischen Seite der Straße von Gibraltar, gehört allerdings zu Spanien – und ist damit EU-Gebiet.
Es ist diese geografische Lage, die Ceuta für all jene interessant macht, die nach Europa einwandern, aber nicht den weitaus gefährlicheren Weg über das Mittelmeer auf sich nehmen wollen. In der Vergangenheit versuchten Migranten häufig, über den Weg nach Ceuta Asyl in der EU zu beantragen.
Nun erlebt die Exklave den größten Ansturm von Migranten seit fünf Jahren. Spaniens Premierminister Pedro Sánchez hat das Militär nach Ceuta beordert, um für Ordnung in der Stadt zu sorgen. Am Freitag will er selbst in die Exklave reisen, um sich ein Bild der Lage zu machen. t-online beantwortet die wichtigsten Fragen zur Krise in Ceuta.
Wo liegt Ceuta – und was macht es besonders?
Die Stadt liegt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste und grenzt direkt an Marokko. Ceuta hat rund 85.000 Einwohner und eine Fläche von knapp unter 20 Quadratkilometern. Seit dem 16. Jahrhundert gehört das Gebiet zu Spanien und bildet mit dem weiter östlich gelegenen und ebenfalls zu Spanien gehörenden Melilla die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union in Afrika.
Wer die Stadt erreicht, steht auf EU-Boden – für Migranten sind beide Exklaven deshalb seit Jahren ein Ziel auf dem Weg nach Europa. Die Grenze ist massiv gesichert, mit einem doppelten Zaun, Überwachungstechnik und Patrouillen. Viele Migranten umschwimmen die Sperranlagen deshalb vom marokkanischen Ufer aus und steuern den Strand von Tarajal an.
Was ist am Donnerstag passiert?
Schon seit Tagen war die Zahl der Ankünfte gestiegen: Nach Angaben der Regionalbehörden hatten zuletzt mehr als 1.500 Migranten die Exklave erreicht, die meisten schwimmend. Am Donnerstag eskalierte die Lage in Ceuta. Mehr als 49.000 Menschen überquerten die Grenze nach Ceuta, erklärte das spanische Innenministerium am Freitag. "Es waren viel mehr als zunächst angenommen".
Für einige Migranten endete der Versuch, in die EU zu kommen, allerdings tödlich: Mindestens neun Menschen ertranken nach Behördenangaben beim Versuch, die Exklave schwimmend zu erreichen – die "New York Times" berichtete unter Berufung auf einen spanischen Regierungssprecher sogar von mindestens 18 Toten. Die Aufnahmeeinrichtungen der Stadt sind nach Angaben von Stadtpräsident Juan Jesús Vivas zu mehr als 200 Prozent belegt. Am Donnerstagabend versuchten Migranten zudem, den Grenzübergang Beni Enzar in der zweiten spanischen Exklave Melilla zu stürmen – er wurde vorübergehend geschlossen.
Was macht den Ansturm so relevant?
Es ist der größte Grenzübertritt seit Mai 2021, als binnen zwei Tagen rund 10.000 Menschen nach Ceuta gelangten. Die Krise hat drei Dimensionen: Innenpolitisch gerät die linke Regierung von Pedro Sánchez unter Druck. Die Opposition wirft ihr eine zu lasche Grenzpolitik vor und verweist auf die Anfang des Jahres auf den Weg gebrachte Legalisierung von rund einer halben Million Migranten ohne gültige Papiere. Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach von einer "nationalen Sicherheitskrise".
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Außenpolitisch belastet der Fall das sensible Verhältnis zu Marokko: Spanien ist beim Grenzschutz auf die Kooperation mit Marokko angewiesen – nach dem Ansturm von 2021 bewilligte Madrid dem Nachbarland 30 Millionen Euro für die Grenzsicherung.
Und schließlich betrifft die Krise die gesamte EU: Es geht um eine europäische Außengrenze. Und mit Italien stellt ein Mitgliedstaat wegen der Lage offen das Schengen-System gegenüber Spanien infrage (siehe nächster Punkt).
Wie reagieren Spanien und die Europäische Union?
Madrid schickt das Militär: Bis Freitag sollten drei Züge mit je 20 Soldaten, eine Tauchereinheit und ein Militärschiff verlegt und die Spezialeinheiten der Polizei auf 200 Beamte aufgestockt werden. Sánchez und Innenminister Fernando Grande-Marlaska werden am Freitag in Ceuta erwartet, der Regierungschef will unter anderem die Grenze von Tarajal besuchen. Stadtpräsident Vivas forderte die Zentralregierung auf, den nationalen Notstand auszurufen. Mit Marokko vereinbarte Spanien nach eigenen Angaben ein Verfahren für beschleunigte Rückführungen – einen Zeitplan oder konkrete Zahlen gibt es bislang nicht.
Auf EU-Ebene sicherte Migrationskommissar Magnus Brunner Spanien Unterstützung zu, auch durch die Grenzschutzagentur Frontex. EVP-Chef Manfred Weber forderte Sánchez auf, schnell zu handeln und die gemeinsamen Außengrenzen zu schützen.
Am schärfsten reagierte derweil Italien: Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Außenminister Antonio Tajani fordern eine Schließung des Schengen-Raums gegenüber Spanien. "Italien wird nicht zusehen", schrieb Meloni. Madrid bestellte daraufhin am Freitag den italienischen Botschafter ein.
Was sind die Gründe für die Migrationsbewegung?
Die genauen Gründe für den sprunghaften Anstieg der Migration sind bislang nicht bekannt. Einem Bericht des "Spiegel" zufolge kursierten in den spanischen Medien vor allem zwei Theorien – womöglich treffen beide zu.
Die erste: Marokko könnte Spanien gezielt unter Druck setzen. Beim Ansturm 2021 hätten marokkanische Grenzschützer bewusst weggeschaut, um Madrid in einem diplomatischen Streit um die Westsahara zu treffen. Diesmal käme dem Bericht zufolge als Auslöser ein spanisches Gesetzesvorhaben infrage, das bestimmten Sahrauis, also den indigenen Bewohnern der von Marokko besetzten Westsahara, die spanische Staatsbürgerschaft zusprechen würde.
Manchen spanischen Medien zufolge soll das mutmaßliche Wegschauen der marokkanischen Grenzer auch eine Reaktion auf die jüngste Annäherung Madrids an Algerien sein – Sánchez hatte Algier erst vergangene Woche besucht.
Warum das Rabat verärgern könnte, erklärt sich aus einer jahrzehntelangen Rivalität: Marokko und Algerien gelten als Erzfeinde in der Region. Im Kern geht es auch hier um die Westsahara, eine frühere spanische Kolonie, die Marokko für sich beansprucht und größtenteils kontrolliert. Algerien unterstützt dagegen die Unabhängigkeitsbewegung Polisario, die in dem Gebiet einen eigenen Sahraui-Staat errichten will, und beherbergt deren Führung. Das Verhältnis der beiden Nachbarn ist tief zerrüttet: Die gemeinsame, mehr als 1.500 Kilometer lange Grenze ist seit 1994 geschlossen, 2021 brach Algier zudem die diplomatischen Beziehungen zu Rabat ab. Jede spanische Annäherung an Algier wird in Marokko deshalb mit Argwohn verfolgt.
Marokko bestreitet allerdings, irreguläre Migration gefördert oder erleichtert zu haben. Und auch Madrid betont, dass die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden funktioniere. Einen Zusammenhang mit der Algerien-Reise wies das spanische Außenministerium dem "Spiegel"-Bericht zufolge zurück.
Die zweite Theorie, zu der laut "Spiegel" auch die spanische Regierung neigt: Auslöser sei ein Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli. Die Richter erklärten darin die sofortige Zurückweisung von Migranten für unzulässig, wenn diese schwimmend an der gesamten spanischen Küste und damit auch den beiden Exklaven ankommen und keine Grenzanlagen überwinden. Betroffene erhalten seither ein geordnetes Verfahren und können einen Asylantrag stellen.
Das Urteil habe sich im Süden Marokkos schnell herumgesprochen, die Krise sei absehbar gewesen, sagt der Journalist Ignacio Cembrero dem "Spiegel" zufolge. Das spanische Innenministerium erklärte zudem, Schleusernetzwerke könnten das Urteil ausnutzen, um Menschen zur Überfahrt nach Ceuta zu bewegen.


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