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Orgo-Life the new way to the future Advertising by AdpathwayGuten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
je älter man wird, desto weniger kann man aus seiner Haut. Jedenfalls, wenn man Schwabe ist. Ich zum Beispiel bin im Herzen ein Italiener, im Kopf ein Europäer und im Sozialverhalten ein Weltbürger, jedenfalls bilde ich es mir ein. Im Bauch jedoch regiert die Heimat. Es geht nichts über einen Zwiebelrostbraten mit handgschabten Spätzle und Butterschmelz. Dazu ein Stuttgarter Hofbräu, das beste Bier der Welt (doch, doch). Oder Maultaschen aus Gablenberg. Linsen mit Saidewürschtle. Gaisburger Marsch. Kartoffelsalat an Essig, Öl und Brühe (OHNE Mayonnaise!). Flädlesupp. Buabaspitzle!
Sie merken schon: Ich habe Hunger. Das passiert mir immer, wenn ich zu lange nicht in der Heimat gewesen bin. Mit meinen zweiundfünfzig Lenzen bin ich recht viel in der Welt herumgekommen, auf der einen Seite bis China, auf der anderen bis Kalifornien. Ich war im Südsudan, in Südafrika und in Sachsen. Ich bin wochenlang durch die Sahara gegondelt und habe mich von Kichererbsen und Kamelfleisch ernährt. In der arabischen Welt gibt es wenige Länder, die ich nicht kenne, und in Sankt Petersburg war ich schon, als es noch Leningrad hieß und niemand dort Putin kannte.
Kurzum: Ich habe einiges gesehen und auch einiges probiert. Kürzlich in Shenzhen sogar Schweinefüße und, halten Sie mich meinetwegen für einen Snob, Frösche. Eine freundliche Chinesin platzierte die Gerichte auf einer runden Scheibe, die sich in der Mitte des Tisches drehte. Die Gäste saßen im Kreis und bedienten sich mit Stäbchen.
Ich mag es, Menschen aus anderen Kulturen zu begegnen, und ich lerne immer etwas dabei. Seit 25 Jahren lebe ich in Hamburg und seit bald neun Jahren auch in Berlin, und was soll ich sagen: Es gibt kaum attraktivere Orte in diesem Land. Aber wenn ich nach einem langen Arbeitstag abgekämpft nach Hause komme und ein bisschen Ruhe suche, dann gehen mir das Autobrausen, die Polizeisirenen, der Fluglärm und überhaupt das Überangebot an mitteilungsbedürftigen Zweibeinern schon ein bisschen auf die Nerven. Anderswo ist's auch schön.
Da, wo ich herkomme, zum Beispiel. Ich erinnere mich daran, wie ich als 13-jähriger Bub mit dem Fahrrad über die Schwäbische Alb strampelte und abends bei Bauern anklopfte, um einen Schlafplatz in der Scheune zu erbitten. Die Entfernung zu Stuttgart betrug keine 100 Kilometer, aber für die Bauersleute kam ich aus einer anderen Welt. "Vo Schduagert kommsch?", staunten sie mich an, als sei ich gerade aus einer Mondrakete geklettert. Dann baten sie zu Tisch in ihren Stuben und tischten auf. Und ich langte zu. Daran denke ich, wenn ich auf einem 13-Stunden-Flug ans andere Ende der Welt nicht schlafen kann. "Erst die Fremde lehrt uns, die Heimat zu lieben", hat Theodor Fontane geschrieben. Ein weiser Mann.
Ich erzähle Ihnen das alles, weil ich denke, dass Menschen mit einer Heimatverankerung anders ticken. Sie tragen einen Schatz in sich, den ihnen niemand nehmen kann. Der aus ihren Augen leuchtet und von ihrer Zunge perlt. Egal, ob es nun das Schwabenland, die Uckermark oder Ostfriesland ist. Soweit ich es beurteilen kann, ist auch Jörg Thadeusz so einer. Der ist Radiojournalist, Fernsehmoderator und Schriftsteller, vor allem aber Dortmunder. Das hört man gleich, wenn er den Mund aufmacht. Und weil er obendrein mit einer beneidenswerten Eloquenz und einem mitreißenden Humor gesegnet ist, gibt es kaum einen angenehmeren Gesprächspartner.
Ich weiß, wovon ich spreche. Vor einiger Zeit lud er mich in seinen Podcast beim WDR ein und befragte mich zu meinem Werdegang. Hinterher lobte mich meine liebe Mutter, weil ich so sympathisch rübergekommen sei. Das muss am einfühlsamen Moderator gelegen haben. Jörg Thadeusz ist ein Journalist, der nicht nur sagt, was er denkt, sondern sich ehrlich für das Gegenüber interessiert. Das spürt man, deshalb öffnen sich selbst Austernmenschen und beginnen plötzlich Klartext statt Phrasen zu reden.
Das wiederum ist eine gute Voraussetzung für einen interessanten Podcast. Also haben unsere Moderatorin Christin Brauer und ich Jörg Thadeusz für die heutige Tagesanbruch-Diskussion eingeladen. Und bevor ich jetzt noch mehr Worte über Journalistenweisheiten, schwäbische Leckereien und meine Jugend verliere, empfehle ich Ihnen einfach, unserem Gespräch zu lauschen. Es geht um den aktuellen Zustand des Landes. Und lohnt sich:
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Frohe Ostern!
Wünscht Ihr
Florian Harms
Chefredakteur t-online


2 months ago
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