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Trumps Propaganda im Iran-Krieg: So will er die USA überzeugen

2 months ago 22

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Meme-Videos

Trumps neue Kriegspropaganda


20.03.2026 - 10:22 UhrLesedauer: 5 Min.

 Mit martialischen Videos will die US-Regierung den Krieg gegen den Iran als "cool" darstellen.Vergrößern des Bildes

US-Präsident Trump ballt die Faust: Mit martialischen Videos will die US-Regierung den Krieg gegen den Iran als "cool" darstellen. (Quelle: IMAGO / TheNews2)

Seit Beginn des Iran-Kriegs setzt das Weiße Haus auf Meme-Videos und Jugendsprache. Die neue Propagandastrategie bricht radikal mit bisherigen US-Kriegsbotschaften.

Seit dem 28. Februar, dem Beginn des US-geführten Kriegs gegen den Iran, hat die Regierung von Präsident Donald Trump ihre Kriegs- und Propagandakommunikation grundlegend umgestellt. Zentrales Instrument sind TikTok-gerechte Kurzvideos, in denen reale Raketenangriffe mit Szenen aus Actionfilmen, Videospielen oder Sportsendungen montiert werden, wie das US-Magazin "Politico" berichtet.

Die Kampagne zielt demnach weniger auf klassische Seriosität als auf maximale Reichweite – mit Erfolg: Ein ranghoher Regierungsvertreter spricht dem Bericht zufolge von mehr als drei Milliarden Ansichten der Posts innerhalb von vier Tagen.

Parallel dazu verschärft Verteidigungsminister Pete Hegseth den Ton bei Pressekonferenzen im Pentagon. Er bezeichnet iranische Führungspersonen als "Ratten" und kündigt an, es werde "keine Gnade" geben. Formulierungen, die Völkerrechtsexperten als problematisch einstufen, weil sie die Schwelle zu Kriegsverbrechen berühren könnten, wie "Politico" unter Berufung auf frühere Militärs festhält.

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Die Mischung aus aggressiver Rhetorik und Social-Media-Inszenierung markiert einen deutlichen Bruch mit der zurückhaltenden Sprache früherer US-Regierungen in Kriegszeiten.

Laut "Politico" produziert ein kleines Team online-affiner Mitarbeiter im Weißen Haus Kurzclips, die sich bewusst an der Ästhetik von TikTok, Gaming-Kanälen und Sportmemes orientieren. Zu sehen sind etwa NFL-Spieler, die ihre Gegner spektakulär zu Boden rammen, unterlegt mit der Aufschrift "Touchdown" – als Metapher für US-Luftschläge gegen iranische Ziele. Andere Videos mixen Szenen aus Filmen wie "Top Gun" oder "Gladiator" mit echten Aufnahmen von Marschflugkörpern und Drohnenschlägen.

Ein weiterer hochrangiger Regierungsvertreter, der im Text ebenso wie sein Kollege nicht namentlicht genannt wird, beschreibt die Arbeit an diesen Inhalten gegenüber "Politico" als eine Art kreatives Meme‑Kollektiv: Man "schufte an knalligen Memes", die zugleich unterhalten und die eigene Sicht auf den Krieg vermitteln sollen. Solche hybriden Formate zwischen Information, Propaganda und Unterhaltung beschreibt die Politikwissenschaftlerin Camelia Cușnir von der Universität Budapest als "Govtainment", also die "Spektakularisierung" staatlicher Kommunikation auf Plattformen wie TikTok.

Militärhistoriker und ehemalige Kommandeure sehen in der aktuellen Strategie einen tiefen Bruch mit gewachsenen Normen präsidentieller Kriegsführung. Joe Votel, früherer Chef des US‑Zentralkommandos, kritisiert im Gespräch mit "Politico", die Leistung der Soldatinnen und Soldaten brauche keine "Hollywood‑Aufhübschung".

Der ehemalige Kommandeur der US-Truppen in Europa, Ben Hodges, warnt, dass die "gamerisierte" Verpackung die Realität des Kriegs verharmlose. "Unsere Verbündeten fragen sich, was zur Hölle gerade passiert", so der Ex-Militär. "Es lässt uns so aussehen, als würden wir den Krieg nicht ernst nehmen".

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Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verweisen darauf, dass traditionelle US‑Kriegsbotschaften – von der Ansprache Franklin D. Roosevelts nach Pearl Harbor bis zu Barack Obamas Erklärung des Einsatzes gegen den "Islamischen Staat" – stark auf Opferbereitschaft und Solidarität mit den Verbündeten der USA setzten.

Diese Art der Kommunikation habe sich unter Donald Trump grundlegend geändert, schreibt der Medienwissenschaftler Mauricio Percara in einem Artikel für das Fachportal "E-International Relations". Zwar gab es schon in früheren Konflikten inszenierte Momente, etwa das "Mission accomplished"-Banner auf einem US-Flugzeugträger 2003, doch die systematische Nutzung von Memes, Humor und Popkultur in Echtzeit stelle laut aktueller Forschung zur "digitalen Soft Power" eine neue Qualität dar.

Das Weiße Haus begründet die Strategie offen mit dem Ziel, junge Menschen zu erreichen. Interne Umfragen würden zeigen, dass "viele junge Leute dieser Kriegspolitik zumindest teilweise positiv gegenüberstehen", zitiert "Politico" einen Regierungsvertreter. Man wolle diese Zielgruppe mit Formaten ansprechen, die sie aus ihren Gruppenchats und Feeds kenne; dazu gehörten Memes, Gaming‑Referenzen und virale Sounds.

Studien zur politischen Kommunikation auf TikTok belegen, dass gerade rechtspopulistische und personalisierte Akteure stark auf Unterhaltung, Emotionalisierung und Zuspitzung setzen, um Aufmerksamkeit und Interaktion zu maximieren. Eine vergleichende Analyse von Parteien und Spitzenkandidaten zeigt, dass auf TikTok oft weniger politische Inhalte im engeren Sinne verbreitet werden als vielmehr personalisierte, humorvolle Clips, die Nähe und Identifikation schaffen.

Regierungen müssen ihre Kommunikation also verändern: Wer junge, politikferne Zielgruppen erreichen will, muss sich stärker an Formatlogiken wie Memes, Trends und Sound-Snippets orientieren – mit allen Risiken für die inhaltliche Tiefe.

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Der Iran-Konflikt fällt in eine Phase, in der Kriege längst auch als Social-Media-Ereignisse geführt werden. Eine Studie zur russischen Invasion in der Ukraine, die im Fachmagazin "Frontiers in Psychology" veröffentlicht wurde, beschreibt sie als erste "TikTok‑Krieg"‑Erfahrung: Soldaten und Zivilisten teilten Millionen Kurzvideos, die Frontalltag, Zerstörung, aber auch Humor und Alltagsbewältigung zeigen. Memes fungieren dort als moderne Propagandaplakate, mit denen sowohl staatliche als auch zivilgesellschaftliche Akteure Moral stärken und Deutungen des Kriegsverlaufs prägen wollten.

Dieselbe Studie zur "TikTok war humor" (zu Deutsch: Kriegshumor auf TikTok) zeigt, dass ironische oder witzige Clips in Kriegszeiten psychologische Funktionen wie Stressbewältigung erfüllen, aber auch Distanz und Abstumpfung fördern können. Im Kontext des Iran-Kriegs übernimmt nun ausgerechnet die US-Regierung selbst die Rolle eines Meme-Produzenten – und verwischt damit die Grenze zwischen offizieller Information, Rekrutierungspropaganda und "Politainment" stärker als zuvor.

Ganz neu ist die Nutzung popkultureller Codes durch das US-Militär nicht. Schon seit Jahren setzen die Streitkräfte auf Social Media, Gaming und Influencer, um Nachwuchs zu gewinnen und ihr Image zu verbessern. Militär-Influencer auf TikTok zeigen ihren Alltag als Soldaten, die ihren Alltag humorvoll inszenieren und damit gezielt junge Nutzerinnen und Nutzer ansprechen.

Auch die Kooperation mit YouTubern und E-Sport-Teams dient dazu, militärisches Leben als cool, modern und nahbar zu präsentieren, wie eine Analyse der "Times of India" zeigt. In diesem Kontext wirkt Trumps Kriegs-Meme-Kampagne wie eine Radikalisierung bereits bestehender Rekrutierungs- und Imagestrategien: Was zuvor vor allem auf freiwillige Bewerber zielte, richtet sich jetzt auf die Legitimation eines laufenden Kriegs.

Die Reaktionen aus dem sicherheitspolitischen Establishment sind entsprechend deutlich. Der Militärhistoriker und frühere Pentagon-Korrespondent Tom Ricks bezeichnete das Zusammenspiel aus Memes und martialischer Rhetorik gegenüber "Politico" als "ungewöhnlich und beispiellos" und wirft der Regierung eine riskante Mischung aus "Inkompetenz und Hybris" vor. Wer sich nicht dafür interessiere, wie die Öffentlichkeit den Krieg wahrnehme, spiele mit politischem und strategischem Feuer.

Kritik kommt auch aus dem Lager der Digitalstrategen der Demokraten. Die Beraterin Lauren Kapp argumentierte, die Kommunikationsstrategie des Weißen Hauses setze gezielt auf "rage bait" – also Inhalte, die Wut auslösen und dadurch Reichweite generieren –, ohne zwischen positiver und negativer Aufmerksamkeit zu unterscheiden.

Ziel sei es, möglichst viele "junge, beeinflussbare" Nutzerinnen und Nutzer zum Konsum der Kriegsinhalte zu bewegen, unabhängig davon, ob sie zustimmend oder ablehnend reagieren. Diese Logik entspricht Befunden aus der Forschung zu politischer Memetik, wonach polarisierende, absurde oder aggressiv-humorvolle Inhalte besonders hohe Interaktionsraten erzielen.

Trotz der hohen Reichweiten ist der politische Ertrag der Kampagne bislang begrenzt. Laut "Politico", das sich auf eine aktuelle YouGov‑Umfrage beruft, lehnen 56 Prozent der US-Bevölkerung den von Trump begonnenen Krieg mit dem Iran ab, unter unabhängigen Wählerinnen und Wählern sind es sogar 63 Prozent. Besonders heikel für den Präsidenten: Ein Reuters/Ipsos‑Trend deutet darauf hin, dass seine Zustimmungswerte bei Männern zwischen 18 und 29 Jahren im Vergleich zum Vorjahr von 43 auf 33 Prozent gefallen sind – also genau in jener Zielgruppe, die das Weiße Haus eigentlich online mobilisieren will.

Auch in Trumps eigener Unterstützerbasis zeichnet sich laut "Politico" ein Riss ab. Influencer wie der Podcaster Joe Rogan, der jahrelang als wichtiger konservativer Multiplikator für junge männliche Wähler galt, kritisieren den Krieg gegen Iran scharf und sprechen von einem "Verrat" an den Erwartungen, sich stärker um innenpolitische Probleme zu kümmern.

In der Kommunikationsforschung gilt es als wahrscheinlich, dass eine auf die Kernklientel zugeschnittene, stark polarisierende Ansprache kurzfristig Mobilisierung erzeugen kann. Mittelfristig könne es aber negative Vorurteile gegenüber Kriegspolitik in der Gesamtbevölkerung verstärken, schreibt Medienwissenschaftler Mauricio Percara.

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