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Kash Patel wird Trumps Problemfall im FBI
21.04.2026 - 10:35 UhrLesedauer: 5 Min.

FBI-Direktor Kash Patel vor einer Senatsanhörung im September 2025: Trump-Verbündeter unter Druck. (Quelle: Jonathan Ernst)
Donald Trump hat bereits Ministerinnen gefeuert. Jetzt gerät auch sein umstrittener FBI-Chef in die Kritik. Was den US-Präsidenten zögern lassen könnte: Kash Patel ist nicht nur loyal, sondern sein wichtigster politischer Rächer.
Bastian Brauns berichtet aus Washington
Seit Jahresbeginn hat Donald Trump bereits drei seiner Kabinettsmitglieder verschlissen. Zuerst musste im März Kristi Noem als Heimatschutzministerin gehen. Dann traf es Justizministerin und Generalstaatsanwältin Pam Bondi. Und am Montag dieser Woche verabschiedete das Weiße Haus die bisherige Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer.
Es könnte nicht der letzte Rausschmiss in diesem Wahljahr bleiben. Denn auch FBI-Chef Kash Patel gerät inzwischen unter Druck. Anders als die drei Ministerinnen könnte er allerdings für den US-Präsidenten zu wichtig sein, um ihn vorschnell fallen zu lassen.
Erst Berichte und Gerüchte, dann Rauswurf
Es ist ein bekanntes Muster, das schon in Trumps erster Amtszeit zu beobachten war: Erst gibt es negative Berichte in den US-Medien, dann häufen sich die Gerüchte, wie unzufrieden der Präsident mit einem Minister oder einer Ministerin ist, und schließlich geschieht alles ganz plötzlich. Meistens findet das Weiße Haus Gründe für die Entlassungen, die Trump als gänzlich unbeteiligt erscheinen lassen sollen.
Im Fall von Kristi Noem gab Trump ihr einen bislang gar nicht existenten neuen Posten. Statt des renommierten Amts als Heimatschutzministerin übernahm sie nun das neu geschaffene als "Sondergesandte für die westliche Hemisphäre" ("Special Envoy for the Shield of the Americas"). Was Noem in dieser Funktion genau tut, ist bislang unklar.
Noem wurde öffentlich heftig kritisiert, weil unter ihrer Amtsführung unter anderem zwei Amerikaner von Beamten ihrer Behörden erschossen worden waren, die für Massenabschiebungen zuständig sind. Man fand im Weißen Haus offenbar eine elegante Lösung. Der neue Job dürfte Noems politisches Abklingbecken sein. (Mehr dazu lesen Sie hier).
Ähnlich wie im Fall von Justizministerin Pam Bondi verabschiedet die Trump-Regierung die jetzt geschasste Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer voller Dank für die gute Arbeit "in die freie Wirtschaft". Tatsächlich untersuchte der Generalinspektor des US-Arbeitsministeriums Chavez-DeRemer wegen des Vorwurfs mutmaßlichen Alkoholkonsums während der Arbeit und wegen einer angeblichen Affäre mit einem Sicherheitsbeamten. Bei Pam Bondi soll Trump unter anderem unzufrieden wegen ihres Umgangs mit den Epstein-Akten gewesen sein.
Der Nächste im Visier: FBI-Direktor Kash Patel
Auch im Fall des FBI-Direktors Kash Patel soll übermäßiger Alkoholkonsum eine Rolle spielen. Das US-Magazin "The Atlantic" veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Recherche, die für Trump hochproblematisch werden könnte.
Demnach soll Kash Patel als Behördenchef "zu exzessivem Trinken neigen", Termine andauernd verschieben und schwer erreichbar sein. Laut mehreren Quellen sei er zudem in Panik ausgebrochen, weil er glaubte, entlassen worden zu sein. Der Grund: Wegen eines IT-Fehlers konnte er sich nicht mehr ins Behördensystem einloggen.
Wenn diese Darstellung auch nur teilweise stimmt, trifft sie einen empfindlichen Punkt. Trump ärgert sich nicht nur über schlechte Presse für seine Mitarbeiter, die auf ihn zurückfallen kann. Er verachtet auch jeglichen Kontrollverlust. Und Alkohol gehört für ihn, nicht zuletzt wegen der Geschichte seines alkoholabhängigen Bruders, zu den wenigen Dingen, die er ganz persönlich strikt ablehnt.
Mehr als nur ein Behördenchef
Mit Kash Patel steht nun nicht nur ein wichtiger Behördenchef in der öffentlichen Kritik. Der FBI-Direktor steht auch für eines der politischen Großprojekte von Donald Trump. Er ist ein Loyalist, der die Elite der Bundesermittlungsbehörde von Vertretern eines behaupteten, verschwörerischen "Deep State" (Schattenstaat) säubern soll. Patels Mission ist nicht nur die Strafverfolgung, sondern ein Rachefeldzug gegen jegliche verhasste Anti-Trump-Ermittler.
Darum dürfte es dem Präsidenten auch schwerfallen, Patel einfach so zu entlassen. Und deswegen reagiert Patel wohl auch so, wie es typisch ist im Trump-Universum. Der FBI-Chef hat das US-Magazin und seine Autorin kurzerhand auf 250 Millionen Dollar verklagt. Er wirft dem "Atlantic" eine "böswillige, erfundene Kampagne" vor, gestützt nur auf anonyme Quellen, die bewusst gegen besseres Wissen publiziert worden sei. Besonders schwer wiegt der in der Klageschrift zu lesende Vorwurf der "actual malice", also vorsätzlicher Falschberichterstattung.
Über sein offizielles Profil als FBI-Direktor schrieb er auf der Nachrichtenplattform X an "die Fake News" und bezichtigte sie der "Lügen" in ihren "Hetzartikeln" über ihn. Egal, wie viel "Bullshit" sie auch über ihn schreiben mögen, so Patel, nichts davon werde das "FBI davon abhalten, Amerika wieder sicher zu machen."
Der "Atlantic" reagierte mit einer knappen Mitteilung: "Wir stehen zu unserer Berichterstattung über Kash Patel und werden 'The Atlantic' und unsere Journalisten energisch gegen diese unbegründete Klage verteidigen."
Klagen als riskante Überlebensstrategie
In seinem Eskalationsschritt liegt für Kash Patel nun eine gewisse Überlebenschance, aber auch ein hohes Risiko. Denn zum einen scheitern solche Klagen oft wegen der Presse- und Meinungsfreiheit. Zum anderen verlängern solche Prozesse die öffentliche Aufmerksamkeit für die bestehenden Vorwürfe. Jeder Gerichtstermin und jede dazugehörige Meldung halten die Geschichte am Kochen.
Es ist zudem nicht Patels erste Klage dieser Art. Schon im vergangenen Jahr verklagte der FBI-Chef Frank Figliuzzi, einen Analysten des US-Fernsenders MSNBC und ehemaligen FBI-Agenten. Figliuzzi hatte Patel vorgeworfen, er verbringe mehr Zeit in Nachtclubs als im FBI-Hauptquartier in Washington. Das Verfahren liegt bei einem US-Bezirksgericht in Texas und ist nach wie vor anhängig.
Für Trump mögen solche Kämpfe gegen die US-Medien einerseits attraktiv erscheinen. Der Präsident selbst führt derlei Schadensersatzklagen, teils sogar erfolgreich. Aber für seine Regierungsmannschaft und Behördenchefs gelten andere Regeln. Bei ihnen werden unaufhörliche Negativschlagzeilen erfahrungsgemäß schnell zur Belastung.
Trumps Geduld hat enge Grenzen
Dann verliert Trump wie im Fall von Kristi Noem, Pam Bondi oder Lori Chavez-DeRemer die Geduld, insbesondere wenn die Geschichten doch wahr sind. Wer unbequem wird, den lässt Trump in der Regel nach dem Motto "Ich rette mich lieber selbst" fallen – ganz egal, wie loyal die Person auch sein mag.
Die politische Großwetterlage in den USA verschärft die Lage für Patel. Es dürfte kein Zufall sein, dass Trump alle drei Ministerinnen in diesem Jahr gefeuert hat. Denn die Zwischenwahlen rücken näher. Es geht nicht nur darum, Leute loszuwerden, die dem Präsidenten schaden könnten. Wen er jetzt ersetzt, kann er noch bestätigen lassen, solange die Republikaner den Senat kontrollieren. Nach den Wahlen könnte das vorbei sein.
Der Rächer der "Russiagate"-Affäre
Die größte Chance für Patel, der auch guten Kontakt zum Präsidenten-Sohn Donald Trump Jr. pflegt, wird seine Rolle als Trumps Rächer bleiben. Vor allem mit Blick auf die Russland-Ermittlungen aus Trumps erster Amtszeit. Schon in seiner Zeit als Büromitarbeiter im US-Kongress kämpfte Patel engagiert gegen die sogenannte "Russiagate"-Affäre und stellte sich demonstrativ gegen Teile der US-Sicherheitsbehörden, die die angebliche Nähe des Präsidenten und seines Teams zu Russland untersuchten.
Für Trump war Patel also schon immer mehr als ein loyaler Verbündeter. Denn er ging aktiv gegen das vor, was der Präsident bei seinem ersten Amtsenthebungsverfahren als institutionelle Verschwörung gegen sich ansah. Diese Vorgeschichte prägt Kash Patels Amtsführung als FBI-Chef bis heute.
Patel spielte nicht nur eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen gegen seinen Amtsvorgänger James Comey, einer zentralen Hassfigur von Donald Trump in der "Russiagate"-Affäre, die unter Trumps früherer Justizministerin Pam Bondi in einer Anklage mündete. Patel veranlasste zudem zahlreiche Entlassungen und interne Untersuchungen von Beamten, die an Ermittlungen rund um Trump im Kontext des Sturms auf das Kapitol am 6. Januar 2021 oder der Dokumentenaffäre beteiligt waren, bei der Trump illegaler Umgang mit geheimen Regierungsunterlagen vorgeworfen wurde.


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